08.07.2016 - Unsere Fahrt begann ein weiteres Mal in Mendoza. Wir sind wieder in Reiselaune und diesmal fuhr uns der Bus gen Osten in die Hauptstadt von Argentinien- nach Buenos Aires. Das kuriose ist, dass Buenos Aires nicht die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires ist, denn das ist La Plata. Wir fuhren über Nacht in der zweiten Klasse. Ein schreiendes Kind und eine hustende Französin wollten uns keine Nachtruhe gönnen, weshalb wir diese Nacht wieder als nicht erholsam einordnen können. Morgens, ein paar Stunden vor Ankunft in Buenos Aires, hielten wir und alle stiegen zum Frühstück aus. Das war neu für uns. Wir gingen übermüdet in eine Art Raststättenhäuschen. Hier bekamen wir Kaffee und Frühstücksgebäck. Und das, obwohl wir beim Ticketverkauf gesagt bekamen, dass kein Service im Preis inbegriffen sei. Der Kaffee tat sehr gut, denn wir hatten den Tag über viel vor.
Irene, eine Freundin von Kristin, die sie in Dresden bei ihrem Austauschjahr kennenlernte, holte uns am Terminal ab. Irene ist toll, denn sie nahm uns mit Selbstverständlichkeit in ihrer kleinen Wohnung während unseres Aufenthaltes in Buenos Aires auf. Noch dazu nahm sie sich das ganze Wochenende für uns Zeit, um uns durch die Stadt zu führen. Mit einem weiteren Bekannten (Mariano), der auch in Dresden ein Austauschsemester gemacht hat, legten wir unser Gepäck bei Irene ab und starteten unsere Erkundungstour. Nachdem wir vom Terminal mit dem Zug zu Irene fuhren, nahmen wir nun die Metro zum Kongress. Hier trafen wir auf Nati, die ebenfalls in Dresden war. Damit war unser persönliches Guide-Team komplett, denn zu dritt wollten sie uns die Stadt zeigen. Mariano erzählte uns, dass das Internet sagt, dass dies der zweitgrößte Kongress der Welt sein soll. Ist das wieder der argentinische Superlativ? Oder stimmt das tatsächlich? Sie führten uns über den Plaza de Congreso bis zum Plaza Mayo vorbei am bekannten rosafarbenen ehemaligen Regierungsgebäude. Von dort aus ging es weiter zum Obelisken, der als Wahrzeichen von Buenos Aires gilt. Hier tümmelten sich die Leute, um sich mit dem Obelisken und einem Buenos Aires-Zeichen fotografieren zu lassen. Das war an diesem Tag etwas ganz besonderes, denn es war Feiertag. Also eigentlich war der eigentliche Feiertag erst am Folgetag, aber da dieser auf einen Samstag fiel, war der Freitag auch ein Brücken-Feiertag. Gefeiert wurde die 200-jährige Unabhängigkeit Argentiniens von Spanien. Dafür wurden bereits Straßen gesperrt und Bühnen aufgebaut.
Das Stadtbild von Buenos Aires erschien völlig anders als Mendoza. Statt Straßenhunde sahen wir sehr viele Lager aus Pappe an den Straßenrändern, in denen die obdachlosen Familien leben. Das Bus-Metro-Zugsystem ist sehr gut ausgebaut und erscheint sehr europäisch. Die einzelnen Stadtteile haben einen zum Teil sehr unterschiedlichen und individuellen Charakter. Überall wird Tango getanzt. Nicht umonst trägt Buenos Aires den Titel der Welthauptstadt des Tangos. In den Restaurants, auf öffentlichen Plätzen und auch an den Zugstationen. Überall, wo die sogenannten Porteños (so werden die Leute aus Buenos Aires genannt) Lust haben, Tango zu tanzen. Selbst die Kellner aus einem Café tanzten plötzlich Tango. Das gehört zum Flair von Buenos Aires.
Vom Obelisken spazierten wir zur Skyline von Buenos Aires in den Hafenbereich und zur Puente de la Mujer (Frauenbrücke). Wir überquerten diese und machten es uns an der Costenera (Uferpromenade) mit einem Choripan gemütlich. Ein Choripan ist sehr typisch und ist ungefähr so etwas wie eine Paprikabratwurst im Brötchen. Es ist frei belegbar mit bereitgestellten Soßen und Salat. Warum es so etwas typisches nicht in Mendoza gibt, wird uns nicht klar. Allgemein hätten wir in Buenos Aires wohl ausgewogener essen können als in Mendoza. Es wurde dunkel und wir suchten den Bus 152, der uns zur Theaterbücherei (El Ateneo Grand Splendid) brachte. Eine Bücherei im Ambiente eines alten Theaters- sehr eindrucksvoll. Die alte Bühne wird heute als Café genutzt, in dem die Leute mit einem Kaffee und einem Buch in der Hand ihre Zeit mit Lesen verbringen. Ein Traum für jeden Bücherfreund.
Es war bereits 21 Uhr und wir schon lange bettreif, aber unsere drei Reiseführer wollten gerne noch etwas mit uns im Stadtteil Palermo trinken gehen. Palermo ist das Barviertel von Buenos Aires und so ließen wir uns dort zum Tagesabschluss auf ein Bier nieder. Gegen 23 Uhr warteten wir sodann auf den Bus 168, zurück zu Irenes Wohnung und erreichten diese eine Stunde später. Der Bus war sehr voll, aber es konnte sich doch noch ein Gitarrenspieler in den Bus drängen, der diesen beschallte. Allgemein sind in den Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln sehr viele arme Leute unterwegs. Alle mit demselben Ziel, Geld zu erbitten. Die Einen sind dabei kreativ, die Anderen weniger. Die ganz Unkreativen betteln, manche haben fünf Kinder zum Betteln dabei, Andere wollen dir Jesusbildchen verkaufen. Der Verkauf von Schokoriegeln oder Textmarkern ist schon kreativer und sehr üblich. Wieder Andere haben ein Instrument dabei, oder auch zwei und spielen den Leuten etwas vor. Die Musiker bekommen generell mehr Geld, denn sie können die Leute unterhalten. Aber das kreativste, was wir erlebten, war eine Theatereinlage zweier Männer in der Metro. Da lockten sie schnell den einen oder anderen Peso aus unseren Taschen und denen der Verkehrsteilnehmer. So ging ein aufregender, sehr langer Tag zuende und trotz großer Müdigkeit sahen wir bereits das wichtigste, was auf unserem Plan für Buenos Aires stand. Demzufolge konnten wir die nächsten zwei Tage deutlich ruhiger angehen und ausschlafen.
09.07.2016 - Frühstück gab es zur Mittagszeit und das erste Ziel an diesem Tag war das Terminal, denn wir brauchten ein Busticket für unsere Weiterreise am Folgetag. Danach fuhren wir mit Irene und Mariano direkt weiter in das Stadtteil La Boca. Dies ist ein sehr berühmtes Stadtteil für Touristen und zeitgleich das gefährlichste in Bezug auf Taschendiebstähle. Dennoch kommt niemand um dieses Viertel herum. Es präsentiert sich mit bunten Häusern und kleinen Gassen und zahlreichen Marktständen mit Handwerkerware. Für uns also ein Pflichtziel. Nachdem wir durch La Boca gependelt sind und das ein oder andere Souvenir kauften, fuhren wir zurück Richtung Zentrum ins Stadtteil San Telmo. Hier warteten weitere Handwerkerstände mit bezaubernden Sachen auf uns. Wir haben aber gelernt, uns nunmehr auf kleine, sehr leichte Dinge zu beschränken, denn unsere Gewichtskapazitäten für den Rückflug sind bereits erreicht (2× 23 kg für jeden von uns :) ).
Auch dieser Tag würde erst sehr spät enden, denn Irene nahm uns mit auf eine Feier, zu der wir eingeladen wurden. Wir fuhren mit einem Bus eine Stunde in den Norden von Buenos Aires. Genau genommen gehörte dies nur zur Provinz Buenos Aires und nicht mehr zur Stadt, aber wir wissen nicht, wo wir da Grenzen ziehen sollen. Für uns ist die ganze Stadt ein riesen Ballungsraum. Wir stiegen im Stadtteil San Fernando aus, welches sichtlich zu den reicheren Vierteln der Provinz zählt. Irene führte uns zu einem großen schönen Einfamilienhaus, in welchem uns Giaco erwartete. Giaco ist ein weiterer Freund, der auch in Dresden ein Austauschjahr absolvierte und uns über Irene zur Party eingeladen hatte. Dem Haus sah man bereits an, dass hier deutlich mehr Geld vorhanden ist. Auch die Innenausstattung gehörte bereits zur deutlich gehobeneren Klasse von Argentinien. Im Haus begrüßten wir Giacos Bruder, einen deutschen Austauschstudenten und einen weiteren Argentinier, der natürlich auch in Dresden war. Die Dresdner Austauschstudenten lernten sich alle in Dresden kennen und haben sich freundschaftlich wohl ganz gut vernetzt. Giacos Haus war noch nicht unser Endziel. Hier glühten wir lediglich ein bisschen vor, quatschten und spielten mit zwei sehr liebevollen Haushunden.
Von Giaco aus fuhren wir mit dem Taxi in das Stadtteil San Isidro zum Gastgeber der Party. Dieses Stadtteil ist auch ein sehr reiches Viertel, denn überall standen sehr noble Häuser und vor einem hielt unser Taxi. Wir wurden bereits von den Jungs gewarnt, dass die Leute auf der Party zum Teil sehr hochnäsig sind. Uns begrüßte der Gastgeber, der wohl den ganzen Abend/ die ganze Nacht an der Tür stand, um seine Gäste hereinzulassen. Zwei große Räume im Erdgeschoss dienten als Tanzräume. Wir gingen direkt durch zur Küche, in der sehr viele alkoholische Getränke bereitgestellt waren. Hauptsächlich aber Fernet Branca mit Cola und ein ganzer Kühlschrank voll mit Bierdosen. Hier bedienten wir uns und gingen direkt in den Gartenbereich, der ebenfalls als Tanzbereich mit DJ diente. Es waren schon einige Gäste da und im Laufe der Nacht kamen immer und immer mehr. Der bereitgestellte Alkohol vom Gastgeber leerte sich entsprechend schnell. Unser Eindruck von der Party war nicht der beste. Für uns war dies eine Party zum Protzen und zum "Freunde kaufen" und um als obercooler Typ dazustehen, da er Alkohol verschenkt und coole Partys schmeißt. Es war sehr wichtig, dass genug Mädels die Party besuchen, denn eine Party für Kerle ist nur gut, wenn ein großer Frauenanteil vorhanden ist. Um die Mädels brauchte sich aber niemand große Sorgen machen, denn die kommen auch von ganz allein, da sie reiche Jungs aufreißen wollen. Ein Geben und Nehmen also. Dazu stylen sie sich auch so richtig auf und wir kamen uns ein bisschen underdressed vor. Aber durch unsere blonden Haare waren wir große Konkurrentinnen für die Mädels, denn blonde Haare wecken das Interesse der südamerikanischen Kerle. Dafür brauchten wir uns auch nicht aufstylen. Gegen 4 Uhr verließen wir die Party und nahmen einen Bus zu Irenes Wohnung, denn ein bisschen Schlaf wollten wir uns noch gönnen.
10.07.2016 Wir schliefen bis Mittags und waren ein bisschen erschöpft. Nachdem wir die Rucksäcke für den Abend gepackt hatten, zogen wir ein letztes mal in die Stadt. Heutiges Ziel: Noch mehr Handwerkermärkte! Wir hatten noch 3-4 Stunden Zeit und der Markt war riesig. Es ist sehr schwer, sich bei der Menge an selbstgemachten Sachen zurückzuhalten. Das war ein schöner Abschluss im schönen riesigen Buenos Aires
Tangoklänge liegen in der Luft,
Caro