Am 24.02 fuhren wir 13 Uhr in Bariloche los... zurück nach Mendoza. Mit dieser Busfahrt beendeten wir unsere 2 1/2-monatige Reise durch Südamerika. Wir waren sehr glücklich, morgens 9 Uhr aus dem Bus zu steigen und zu wissen: Wir sind wieder da und bleiben auch erst einmal. Reisen ist sehr anstrengend und wir sehnten uns schon nach unserem mendozinischen Alltag. So schnappten wir uns unsere Buskarte und nahmen den gewohnten Bus vom Terminal zu unserem Haus. Wie entspannt das war. Wir wussten, welchen Bus wir nehmen und wir wussten, wo wir aussteigen mussten. Ein letztes mal also schleppten wir unsere gefühlt 50-Kilo-Rucksäcke über die Türschwelle von unserem Haus, wo wir sofort alles fallen ließen. Das war das Zeichen, dass wir angekommen sind. Angekommen in einem leeren Haus ohne unsere lieb gewonnenen Brasilianerinnen. Das war schon irgendwie sehr traurig, aber wir sollten ja bald neue liebe Mitbewohner bekommen. Wir fuhren direkt los zum Großeinkauf, denn wir brauchten wieder einen Grundstock an Lebensmitteln und Putzutensilien. Wir durchstöberten, was uns die Brasilianerinnen zurückgelassen hatten. So hatten wir plötzlich jede Menge Kakao- und Kaffeepulver, Popcornmais und Gewürze. Wir mussten also anfangen, Kaffee und Kakao zu trinken :D Die Gewürze wurden kurzerhand zum WG-Gemeinschaftsgut erklärt, denn zu zweit hätten wir das nie verbraucht.
Nachdem wir wieder ausreichend Putzutensilien da hatten, fingen wir an zu putzen, denn der Dreck und Staub Mendozas hatte sich wieder im ganzen Haus breit gemacht. Wir wollten unsere neuen Bewohner ja in ein sauberes Haus einziehen lassen. Als ich in der Küche ein großes Spinnennetz unter einem Stuhl entfernen wollte, bewegte sich etwas darin, was ich dann näher untersuchte. Die Spinne selber konnte es nicht sein, denn dafür war das schwarze verknotete Etwas zu groß. Ich erkannte einen Kopf, der sich bewegte. Es war der Kopf einer kleinen Eidechse. Er war im Spinnennetz gefangen und seine Gliedmaßen schon völlig abgeknotet, aber er lebte noch. Sein Lebenswille war wohl groß, daher holte ich Lisa dazu und wir starteten mit reichlich externer Unterstützung von Lisas Mutti und Katrin die Rettungsaktion "Willy" (so tauften wir die kleine Eidechse). Mit zwei Pinzetten saßen wir einen kompletten Nachmittag da und versuchten, Willy aus dem verknoteten, klebrigen Spinnennetz zu befreien. Er war vollkommen erschöpft und klebte immer wieder zusammen. Als wir mit unserer Arbeit zufrieden waren, suchten wir im Patio (unser Hinterhof) nach kleinen Insekten, die wir mit ihm in eine Kiste legten, um ihn vorerst zu beobachten. Da er am nächsten Tag wieder recht mobil war, trotz nicht mehr ganz so gut funktionierender Gliedmaßen, setzten wir ihn in unserem Hof aus. Wir konnten ihm jetzt nicht mehr helfen und hofften, dass er nun wieder allein für sein Überleben sorgen kann. Unser kleiner Willy <3
Am 26.02. fing auch unser gewohnter Masterkurs wieder an. So konnten wir direkt mit der Uni starten und Freitagabend und Samstagmorgen zur Uni watscheln. Irgendwie war unsere Begeisterung nicht sehr groß, denn wir haben uns ziemlich schnell an ein Leben ohne Uni gewöhnt. Die Masterkurse sind auch, wie letztes Semester, blockweise aufgebaut und laufen jeweils 3-4 Wochenenden lang. Wir starteten mit dem Fach "Evaluación de Impacto Ambiental, Auditorías y Normas", welches uns zunächst in die Welten der ISO 14001 blicken ließ. Das Fach heißt übersetzt "Bewertung von Umweltauswirkungen, Wirschaftsprüfungen und Normen". Die ISO 14001 legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem von Unternehmen fest. Das Fach war zweigeteilt und nach zwei Wochen sollten wir bereits eine Klausur über die ISO 14001 schreiben. Unsere Motivation war nicht sehr groß, denn wir haben nicht sehr viel dafür gelernt. Aber wir durften all unsere Materialien verwenden. Als uns der Professor die Klausur in die Hand drückte, sprach dieser plötzlich mit uns deutsch und meinte, dass wir auch auf deutsch antworten könnten. Da haben wir nicht schlecht geguckt, aber wenn er das mal eher gesagt hätte, hätten wir uns vielleicht auch besser darauf vorbereitet. So haben wir 10 Fragen in einer halben Stunde beantwortet, in einem Mix aus Spanisch und Deutsch. Wenn ich mir etwas ausgedacht habe, war das in Deutsch. Wenn ich aus meinen Materialien etwas abgeschrieben habe, war das natürlich in Spanisch. Am Ende wusste ich dann selbst nicht mehr, was ich eigentlich in diese Klausur geschrieben habe. Ein paar Tage später kam unser Ergebnis per Mail. Wir sind durchgefallen, aber wir konnten die Klausur in der darauffolgenden Woche wiederholen. Aber auch dann hatten wir keine Vorbereitungszeit, weil wir uns schon mitten im stressigen Unichaos befanden. Unsere Nachholklausuren bestanden aber nur noch aus 3 bzw. 4 Fragen. Wir bekamen beide individuelle Klausuren mit Fragen aus der Altklausur, die wir nochmals beantworten sollten. Ich sollte 3 Fragen beantworten und Lisa 4. Und wir hatten keine Zeitbeschränkung von einer halben Stunde mehr. Das war sehr viel entspannter, denn wir hatten plötzlich Zeit, uns Gedanken über unsere Antworten zu machen. So bestanden wir dieses Examen dann doch. Das war aber nur ein Teilerfolg, denn das Fach war damit nicht beendet und der zweite Teil folgte mit einem Professorenwechsel. Dieser Teil behandelte Bewertungsmethoden von Umweltauswirkungen anhand verschiedener Bewertungsmatrizen, eine Art riesige Tabelle mit Bewertungszahlen. Das Endexamen bestand aus einem Vortrag und einer Hausarbeit über ein selbstgewähltes Thema. Das Thema sollte sich auf einen anthropogenen Umwelteingriff und auf die Bewertung der daraus entstehenden Umweltauswirkungen mithilfe einer solchen Bewertungsmatrix beziehen. Diese Herausforderung nahmen wir an, denn wir wollten diesen Teil des Fachs nun auch noch bestehen. Als Thema wählten wir uns das Rheinische Braunkohlerevier in Deutschland und bewerteten die Umweltauswirkungen der Tagebaue, sowohl in einer Hausarbeit als auch in der abschließenden Präsentation. Wir bestanden und konnten weitere 5 Credits auf unser Punktekonto schreiben, die wir uns in Deutschland anrechnen lassen können. Insgesamt könnten wir uns 30 Punkte anrechnen lassen, von denen wir uns tatsächlich gerne 20 anrechnen lassen würden. So hatten wir ab diesem Zeitpunkt bereits 11 von 20 gewünschten Credit-Punkten zusammen und waren motiviert, dieses Semester die 20 zu erreichen.
Nach unseren ersten zwei Unitagen begrüßten wir Nadine und David, zwei unserer neuen Mitbewohner. Da wir an dem Morgen ihrer Ankunft Vorlesung hatten, deponierten wir den Haustürschlüssen in einem Beet vor unserem Haus. Nadines Vorlesungen hier beginnen erst später, daher legten die beiden nur überflüssiges Gepäck ab und reisten noch ein paar Tage weiter nach Valparaiso an die Pazifikküste in Chile. Eine wunderschöne Stadt. Die beiden kommen aus Geißenheim. Nadine ist hier für ein Auslandssemester im Bereich Wein und David begleitet sie für diese Zeit. Er hat sein Studium in Geißenheim beendet und ist nun hier, um auf den Weinfeldern Mendozas zu arbeiten, während Nadine fleißig studiert.
Es war noch sehr warm in Mendoza und wir waren froh, dass wir den Großteil des Sommers ins kühle Patagonien geflüchtet sind. Warme Speisen konnten wir nicht mehr essen, denn das verdoppelte unsere Schweißausbrüche. So verwandelten sich unsere Hauptmahlzeiten in Nudelsalat und Eis. Wir wussten gar nicht, dass es hier auch billige Eisläden gibt, aber wir bezahlten für zwei Kugeln Eis nicht mehr als in Deutschland - ca. 20 Peso (1,20 €). Außerdem stand wieder eine Großwaschaktion bevor. Unsere Schlafsäcke und Daunenjacken mussten in die Reinigung. Das Zelt musste gereinigt und getrocktet werden. Die Rucksäcke wollten geschruppt werden. Als wir irgendwann unsere Nachbarin trafen und sie uns freudestrahlend mit "Hola vecinos, tanto tiempo" (Hallo Nachbarn, soviel Zeit ist vergangen) begrüßte, wussten wir, dass wir wieder angekommen sind. Angekommen im Alltag von Mendoza. Ein tolles Gefühl.
Wir organisierten einen "wir sind wieder da"-Abend und luden Fede, Enzo, Alejo und Corinna (eine weitere Deutsche aus Geißenheim, die erst seit ein paar Tagen in Mendoza war und für ein Semester hier studiert) ein. Der Plan war, Pizza selbst zu machen und Enzo fand die Idee so genial, dass er die Pizza wie bei einem Asado zubereiten wollte. Also auf einem Rost über einer Holzglut. Das hat ewig gedauert und als alle mitten in der Nacht kurz vorm Verhungern waren, wurden die Pizzen doch im Ofen gemacht. Aber nicht so, wie wir es gewohnt sind. Erst musste der Teig vorgebacken/vorgegrillt werden mit Soße und Käse. Dann kam der Belag drauf, der teilweise auch in der Pfanne (z.B. Ei) vorgebraten wurde. Nach erneutem Backen wurde die Pizza dann freigegeben. Wir kümmerten uns die nächsten Tage auch um einen Rückflug nach Deutschland. Den wollten wir nicht zu spät buchen, sodass wir nun verkünden können, dass wir Ende August nach Hause kommen werden. Ab jetzt können also die Tage nach unten gezählt werden.
Auch ließen wir uns mal wieder beim Stammtisch blicken. Dieser traf sich diesmal zuerst auf dem italienischen Platz, auf dem ein italienisches Fest "Festa in Piazza" stattfand. Hier mussten wir uns zunächst mit einem außergewöhnlichen Bezahlsystem beschäftigen, denn wir wollten uns gerne eine italienische Lasagne gönnen. Bevor wir uns an dem Lasagne-Stand eine Lasagne für fünf "Tickets" kaufen konnten, mussten wir uns diese Tickets an einem Ticketverkaufsstand kaufen. Dies bedeute eigentlich nur, dass wir uns zweimal an sehr lange Schlangen wartender Leute anstellen mussten und vorher schon ungefähr wissen sollten, was wir an dem Abend essen und trinken wollten. Aber wenn wir hier mittlerweile etwas gewohnt sind, dann ist es warten. So warteten wir also zunächst an der Ticketschlange und bezahlten pro Ticket 15 Pesos. Damit kauften wir uns auf dem Fest jeweils eine Lasagne für fünf Tickets und zwei Weinbecher für ein Ticket und das Warten hielt sich auch in Grenzen. Da standen wir an so manch einer Supermarktschlange doch schon deutlich länger an. Nach dem Essen sammelte sich die Leute des Stammtisches wieder in der gewohnten Stammtischbar zum Biertrinken. Es war bereits 11 Uhr und wir lernten zwei neue Argentinier, Vicki und Emanuel kennen. Gegen 2 Uhr beschlossen wir, mit den beiden noch eine Shisha in Vickis Wohnung zu rauchen. So spielten wir bei ihr zum Abschluss der Nacht "Was bin ich" und ein hier beliebtes Kartenspiel "Chancho va". Wir waren gegen 6 Uhr wieder zuhause, was ja völlig normale Zeiten in Argentinien sind, wenn man abends ausgegangen ist. Wenn es tagsüber unterträglich warm ist, unternimmt man hier eben lieber nachts mehr. Aber es war ein sehr schöner Abend beziehungsweise eine sehr schöne Nacht.
Da Mendoza eine sehr bedeutende Weinregion in Argentinien ist, darf auch ein ordentliches Weinfest nicht fehlen. Die "Vendimia" ist das Fest der Weinernte. Der Kern dieses Festes ist die Wahl der Weinköniginnen der einzelnen Provinzen. Nach der Wahl werden diese abschließend in einem Festumzug zur Schau gestellt. Von den Festwagen flogen Süßigkeiten für die Kleinen und Obst, vor allem Weintrauben für die Großen. Auch die ein oder andere Honigmelone flog in die Menge. Wir waren Teil der Massen und wollten uns das ganze Schauspiel einmal angucken. Im Prinzip war es nichts anderes als ein Karnevalsumzug bei uns und es zog die Menschen Mendozas aus ihren Häusern. Die Kinder waren bewaffnet mit Stöcken, an denen sie auf kreative Art und Weise kleine Körbe befestigt hatten. So fuhr Wagen an Wagen an ihnen vorbei und die Körbe wurden liebevoll mit Naschereien gefüllt. Jeder Wagen machte seine eigene Party mit Musik und Lichteffekten und vertrat so die eigene Provinz. Die Weinköniginnen und ihr Gefolge wurde glitzernd in schönsten Kleidern auf den Wagen in Szene gesetzt. Regelmäßig kamen Reiter in typischer Gauchotracht vorbeigeritten. Das ganze Spektakel wurde begleitet von Nieselregen und einem Himmel, der nichts Gutes versprach. So gingen wir nach einer Weile zu Fuß nach Haus und suchten gar nicht erst nach Bussen. Die Stadt war durch den Umzug größtenteils gesperrt und so hatten wir keine Ahnung, ob Busse fuhren und wenn ja, wo wir sie gefunden hätten. Mit zügigem Schritt kamen wir am Haus an, kurz bevor das Gewitter so richtig losging. Und wie es losging: Platzregen in Mendoza und Gewitterleuchten am Himmel. El Niño, das Wetterphänomen, welches dieses Jahr sehr viel Regen in die Wüste Mendozas bringt, zeigte sich in vollem Ausmaß. Wir schauten dem Stürmen von meinem Fenster zu und kamen zu der Erkenntnis, dass das Bewässerungsgrabensystem, dass hier in Mendoza durch Seitengräben an allen Straßen voll ausgebaut ist, bei solch einem Platzregen von Vorteil ist. Wir konnten beobachten, wie das ganze Wasser von den Straßen in die Seitengräben ablief und philosophierten bereits ein bisschen über ein paar Verbesserungsmaßnahmen, damit es noch besser in die Gräber laufen kann. Im Zuge unserer Überlegungen staunten wir nicht schlecht, als die Gräben plötzlich voll waren und die Straße sich innerhalb kürzester Zeit in einen Fluss verwandelte. Da kam dann wohl doch zuviel Wasser auf einmal. Aber normalerweise herrscht hier auch Wassermangel und mit Hochwasser kommt man hier nicht so häufig zu Gesicht.
Am nächsten Morgen war nichts mehr von unserem Fluss vor der Haustür zu sehen. Wir begrüßten Kristin, die gerade aus Dresden in Mendoza ankam und für einige Tage bei uns wohnte, da sie sich noch eine Wohnung suchen musste und wir leider kein Zimmer mehr für sie frei hatten. Wir brachten sie in dem noch freien Zimmer unter, in dem zwei Wochen später Mark einzog. Mark ist praktisch unser Nachfolger des Stipendiumprogramms. Dieses wurde umgestellt und beginnt, statt im August, nun schon im März für ein Jahr. Dieses Jahr entschieden sich auch nur Mark und Daniel für das Austauschsemester, obwohl jährlich drei Stipendienplätze zur Verfügung stehen. Es ist wirklich traurig, dass das Interesse so gering scheint und die Chance auf so eine Erfahrung nicht angenommen wird. Aber was soll ich sagen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mich dafür aufraffen könnte und freue mich immer wieder, diesen Schritt dank Lisa gegangen zu sein.
Und nun fehlt noch eine kleine Geschichte:
Eines Abends saß ich gemütlich mit Kristin in der Wohnzimmerküche, als Lisa ganz aufgeregt zu uns kam. Sie fand wohl einen fliegenden Grashüpfer in ihrem Zimmer und hat sich zunächst verdrückt. Vollgetankt mit Mut, schlichen wir uns zu zweit in ihr Zimmer. Diese Aktion musste leise vonstatten gehen, da im Nachbarzimmer bereits Nadine und David schliefen. Im Dunkeln suchten wir den Lichtschalter und dann saß sie da. Es war nicht Flip, der Grashüpfer aus Biene Maja, sondern die böse Gottesanbeterin. Sie saß bewegungslos auf dem Bettpfosten von Lisas Bett. Wir versuchten keine Angst zu zeigen, aber sie drohte uns mit ihren Greifarmen, weshalb wir zunächst den Rückzug antraten. Wir brauchten einen Plan. Ein Blick von Weitem in das Zimmer offenbarte uns eine leere Einkaufstüte auf dem Boden. Wir bewaffneten uns mit einer Decke, die wir als Schutzschild verwendeten, um in das Zimmer bis zur Tüte vorzudringen. Die Tüte wollten wir über sie stülpen, aber wir hatten einen harten Gegner, denn kurz vor unserem Ziel zeigte sich unser Feind kampfbereit und wir brachen ein zweites Mal ab. Die Tüte verhing sich am Bettpfosten, auf dem die Gottesanbeterin Wache stand. Sie war uns mental deutlich überlegen. Nachdem wir ein drittes Mal Mut fassten, das Zimmer zu betreten und wieder Licht machten (das machten wir immer aus, dami sie sich auf der Suche nach Licht nicht noch mehr verbrannte, sie hatte schon einen schwarzen Fleck auf dem Rücken), war sie verschwunden. Es war deutlich, dass sie uns in einen Hinterhalt locken wollte. Wir mussten auf der Hut sein und diesen Kampf beenden. Wir hatten jeden Winkel des Zimmers im Blick und waren auf einen Überraschungsangriff vorbereitet. Diesmal wollte sie uns mit Tütenrascheln vertreiben. Das war unser Sieg. Sie ist in unsere Falle getappt und wir hatten sie in der Tüte. Wir sahen sie nicht und sie hätte uns in jeder Sekunde angreifen können. Die geöffnete Tüte konnten wir nicht schließen, sodass wir sie mit ausgestreckten Finger aus dem Fenster hielten. Wir hofften, dass sie nun aufgeben und das Schlachtfeld wieder verlassen würde, aber sie dachte nicht daran. Sie krallte sich in die Tüte und wartete nur auf die Gelegenheit zum Angriff. Wir wollten sie mit der Tüte nicht aus dem Fenster werfen, denn wir wollten keine Toten. Wir befestigten ein Band des Rollos an der Tüte und seilten diese mit der Gottesanbeterin aus dem ersten Stock in unseren Innenhof ab. Wir hatten den Kampf zwar schon gewonnen, aber die Gottesanbeterin dachte nicht daran, uns für unseren Sieg zu gratulieren und schämte sich weiterhin in der Tüte. Deshalb ließen wir die Tüte samt der Gottesanbeterin im Innenhof liegen. Wir beobachteten das Geschehen vom Fenster aus. Nach kurzer Zeit sahen wir sie im Baum sitzen. Wir hatten einen letzten Blickkontakt (bei dem wir sie fasziniert anstarrten, wir hatten noch nie vorher eine echte Gottesanbeterin gesehen). Ihre Augen sprachen von Rache, sie steckte uns die Zunge heraus und verschwand. Ob sie jemals wiederkommt wissen wir nicht, aber wir sind vorbereitet und kampfbereit.
Hasta la vista,
Caro