10.02.2016 - Um sieben Uhr morgens fuhr unser Bus von Ushuaia in Richtung El Calafate los. Wir staubten im Hostel noch ein paar Cornflakes ab. Mehr konnten wir zeitlich nicht greifen. Das Frühstücksbuffet war für argentinische Verhältnisse sehr gut gedeckt. Normalerweise bekommt man ein paar Medialunas oder andere Teiggebäcke und Kaffee oder Tee. Hier lag reichlich getoastetes Toast bereit, dazu verschiedene Marmeladen und Dulce de leche. Wir sahen Kuchen und Saft, sowie heißes Wasser für Tee und Kaffee und Milch für die Cornflakes. Dafür reichten die fünf Minuten, die wir noch hatten, leider nicht aus. Aber wir waren froh, überhaupt Frühstück zu bekommen. Normalerweise sollte es dieses erst ab 7:00 Uhr geben, aber wir mussten 6:30 Uhr bereits aus dem Hostel stürmen, um pünktlich zum Bus zu kommen.
Am Hafen konnten wir noch den Rest eines wunderschönen Sonnenaufgangs bestaunen. In den Bergen rund um Ushuaia hat es über Nacht geschneit, denn sie waren plötzlich auch schneebedeckt. Sehr beeindruckend. Wir freuten uns über die Plätze ganz vorne, direkt hinter dem Busfahrer in einem einstöckigen Bus, denn hier hatten wir wieder fast einen Panoramablick. Zwei Busfahrer waren an Bord und der erste Fahrer war ein 18-jähriger total aufgedrehter Typ, der die ganze Zeit singen musste und uns durch seinen Rückspiegel zuzwinkerte. Da waren wir dann nicht mehr so glücklich, vorne zu sitzen. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt bereits, dass wir um ein Gespräch mit diesem Typen nach einem Fahrerwechsel wohl nicht herum kommen werden. Zwei Stunden hinter Rio Grande war es dann soweit. Er saß neben uns und fühlte sich als Entertainer schlechthin. Er lobte die argentinischen Männer in hohen Tönen und wir sollen uns doch einen Argentinier als Partner suchen. Wir speisten ihn mit kurzen knappen Antworten ab, denn irgendwann musste er ja mal Ruhe geben. Der andere Busfahrer musste den Rückspiegel zuallererst wieder in Richtung Gang stellen, damit er uns nicht die ganze Zeit im Blick hatte.
Wir bekamen weitere vier Stempel in unseren Reisepass, da wir durch Chile mussten, um Feuerland zu verlassen. Auf dem Weg überholten wir einen Exkursionsbus von Condor-Tours mit deutschem Kennzeichen aus UL. Auch die Aufschrift "zu den Geheimnissen Südamerikas" kam uns sehr deutsch vor. Wir überquerten mit einer Fähre den schmalsten Punkt der Magellanstraße (Punta Delgada). Nach der Fährfahrt war unser Träumerbusfahrer wieder an der Reihe, der den Radioknopf gefunden hat, dieses auf voller Lautstärke hochdrehte und dabei herzzerreißend und voller Energie mitsang. Ich muss zugeben, dass ich das schon wieder sehr süß fand. Das erlebt man auch nicht alle Tage, dass ein Busfahrer voller Lebensfreude singend seine Gäste durch die Gegend fährt.
Ein Uhr nachts kamen wir am Terminal in El Calafate an, spazierten zu unserem Hostel und freuten uns, dass die versprochene 24-Stunden-Rezeption auch geöffnet hatte und wir uns direkt in unsere Betten legen konnten. Für die Sicherheit, tief in der Nacht noch unser Bett zu bekommen, wählten wir wieder ein etwas teureres Hostelzimmer für ca 30 € pro Nacht.
11.02.2016 - Wir bekamen wieder ein tolles Frühstück. Allerdings bekommen nur die Privatzimmer ein Frühstücksbuffet und die Gäste der Dormitorios (Mehrbettzimmer) müssen sich selber Frühstück suchen. Diese Verfahrensweise finden wir ein bisschen albern, denn eigentlich ist es ein sehr gemütliches und eines der schönsten Hostels auf unserer Reise. Nach dem Frühstück machten wir uns bereit und mummelten uns dick ein, denn wir hörten den Wind über unser Zimmer peitschen. Als wir aus dem Hostel kamen strahlte die Sonne jedoch eine unglaubliche Hitze aus und wir warfen all unsere Sachen wieder von uns. Wir hatten noch zwei Stunden Zeit, bis uns ein bereits in Ushuaia gebuchter Bus zu dem Gletscher Perito Moreno bringen sollte. Wir nutzen dies für eine kleine Aussicht über El Calafate und zur Suche eines Tickets nach Puerto Natales am Folgetag. Wir wollten nämlich keine Zeit verlieren und so schnell wie möglich in den Nationalpark Torres del Paine kommen. Die Acht-Uhr-Busse waren leider alle belegt, aber wir bekamen noch einen um 16:30 Uhr für den Folgetag.
Der Bus zum Gletscher Perito Moreno brauchte von El Calafate nur 1 1/2 Stunden. Als wir die ersten Eisbrocken im See neben uns schwimmen sahen, wussten wir, dass es nicht mehr weit sein konnte. Diese türkis leuchtenden Eisbrocken im Wasser versetzten uns sehr in Aufregung. Am Eingang vom Nationalpark "Los Glacieres" mussten wir wieder Eintritt bezahlen. Natürlich! Schließlich bringen Touristen ja genug Geld mit. Der Eintritt kostete 260 arg. Peso (ca 17 €). Wir zahlten jedoch wieder nur 30 Peso (2 €, wie bereits im Nationalpark von Feuerland), weil wir wieder mit unserer Studienbescheinigung aus Mendoza wedelten. Wie praktisch so ein A4-Blatt doch sein kann.
Und dann sahen wir ihn und sein Ausmaß. Die Schönheit dieser Gletscherzunge ließ unser Hydrologenherz aufgehen. Das Eis, welches sich durch das Bergtal schiebt, leuchtet in einem wunderschönen blau. Die Gletscherzunge mündet in einen Gletschersee, welcher sich an dieser Stelle in zwei Arme aufteilt. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Uns fehlten jegliche Worte. Die Höhe der Eismassen war enorm und ein dauerhaftes Grummeln sagte uns, dass der Gletscher sehr aktiv ist und wir ihn wohl beim Kalben zuschauen können. Wir begaben uns also schnell auf das Wegesystem aus Stegen und Aussichtsbalkonen und suchten die beste Aussicht. Wir entschlossen uns für eine Seite des Gletschers, welcher wir dann drei Stunden Aufmerksamkeit boten... mit der Kamera auf der Lauer, um die besten Aufnahmen zu bekommen. Leider waren wir nicht allein und bei jedem Eisabbruch schrien die Leute und stimmten ein Klatschkonzert ein. Das hat uns schon sehr gestört, denn wir wollten doch die Geräuschkulisse des Gletschers auf uns wirken lassen. Kleine Eisbrocken, die ins Wasser fielen, hörten sich an wie Knallkörper zu Silvester. Nach zwei Stunden verharren und einer abnehmenden Zahl an Touristen auf unserer Terasse war es dann soweit. Wir machten schon Dauerfilme, damit wir nichts verpassen. Da brach ein sehr großes Eisstück mit lautem anhaltendem Donnern in den Gletschersee - das war ein Feuerwerk. Wir konnten unser Glück nicht fassen. Dafür verharrten wir so lange an diesem Fleck und froren dort an. Wir finden einfach keine Worte mehr, wie beeindruckend das für uns war. Unbeschreiblich schön. Glücklich und ein bisschen unterkühlt fuhren wir vier Stunden nach Ankunft mit dem Bus zurück nach El Calafate.
12.02.2016 - Wir packten unsere Sachen, zogen noch ein bisschen in der Stadt umher und setzten uns 16:30 Uhr in den Bus nach Puerto Natales. Unsere Reise ging weiter und sollte so schnell noch nicht enden :) An der Grenze zu Chile stand uns mal wieder eine Gepäckkontrolle bevor. Das war ja nichts neues mehr für uns. Diesmal wurde ein Hund auf die unten im Bus gelagerten Gepäckstücke losgelassen. Wir beobachteten freudig das Treiben. Als dann Lisas Gepäckstück durch den Hund herausgezogen wurde, staunten wir nicht schlecht. Was hat er denn da gerochen? Wir schmuggeln doch nichts. Hat jemand Lisa da etwas zugesteckt? Das wäre gar nicht lustig. Lisas Gepäckstück musste nun, wie das Handgepäck aller Insassen, auf das Gepäckband und durchleuchtet werden. Danach kam aber direkt das erhoffte OK des Polizisten. Lisa durfte weiter und musste ihr Gepäck nicht öffnen. Auch wenn es der Hund nicht gut mit ihr meinte war er total toll. Ich liebe Spürhunde. Vielleicht hatte Lisa ja Hundefutter in ihrem Rucksack versteckt :P
In Puerto Natales angekommen, waren wir so schlau, uns im Terminal direkt Bustickets in den Nationalpark Torres del Paine zu kaufen, in welchem wir vier Tage wandern wollten. Beim Bezahlen standen wir allerdings erstmal blöd da mit unseren argentinischen Pesos .... wir hatten in unserer Spontanität glatt vergessen, dass wir ja nun wieder mit chilenischen Peso bezahlen müssen. Wir lächelten einmal lieb und bittend und die Kassierin rechnete den Kaufpreis der Tickets in argentinische Peso um :) Noch einmal Glück gehabt. So konnten wir letztlich doch unsere Tickets bezahlen.
Draußen regnete es prächtig und wir kämpften uns zu unserem gebuchten Hostel durch. Leider kam die Hostelbesitzerin nicht mit booking.com klar und war eigentlich völlig ausgebucht. Sie weiß nicht, wie sie angeben kann, dass sie ausgebucht ist. Alle anderen Hostels sind ausgebucht und zu ihr pendeln nun immer und immer mehr Backpacker. So auch wir ^^ Sie wollte uns aber nicht im Regen stehen lassen und nahm uns herzlich in ihr Haus auf. Das Hostel kann man nämlich nicht als Hostel auffassen. Das war eher ein sehr herzlicher Homestay. So eine Offenheit und Herzlichkeit hätten wir uns im Titicacasee bei unserem geplanten Homestay auch gewünscht. Wir wurden in die Wohnstube geleitet und von ihrem Mann und ihrer Tochter begrüßt. Auf der Couch saß ein Franzose und zwei Chinesen waren auch im Wohnzimmer unterwegs. Der Familienhund Pecho kam auch direkt auf uns zugerannt. Wir bekamen einen Teller Abendbrot auf den Tisch gestellt (eine Mischung aus Reis, Kartoffeln und anderen Sachen - wahrscheinlich Muscheln). Eine Matratze wurde uns mitten in das Wohnzimmer gelegt, die wir uns teilen durften ^^ Ein weiterer überreservierter Gast aus Australien, Joe, klingelte an der Tür und auch er wurde nicht draußen im Regen stehengelassen. Für ihn fand sie auch noch eine Matratze, die mit ins Wohnzimmer kam. Alex, der Franzose schlief auf der Couch. Viel mehr Gäste haben wir um diese Zeit gar nicht mehr gesehen, aber generell haben sie ein Vierbett- und ein Dreibettzimmer zu vermieten.
13.02.2016- Morgens schliefen wir im Wohnzimmer sehr lang und bekamen die Abreise der uns unbekannten Leute gar nicht mit. Jedenfalls trafen wir auch nur die beiden Chinesen und die Wohnzimmergäste an. Wir wollten mit Joe in die Stadt gehen, um das Organisatorische zu erledigen: Einen Bankautomaten suchen, den Einkauf für unseren bevorstehenden Trail im Nationalpark Torres del Paine erledigen, eine Reservierung der Campingplätze vornehmen, an dem 3-Uhr-Infotalk mit einem Basecampmitarbeiter des Nationalparks teilnehmen und ein Ticket im Terminal für unsere Weiterreise nach dem viertägigen Trail kaufen. Joe brauchte auch noch ein Busticket, um in den Nationalpark zu kommen. Der Plan stand, bis Joe auffiel, dass er hier am Samstag kein Geld bekommt. Er brauchte eine Geldempfangsstelle von Western Union, die samstags geschlossen hatte. Er kann nur auf diesem Weg Geld bekommen, weil er seine Bankkarte verloren hat. Da waren wir wieder glücklich, dass wir zur Not eine zweite Reservekreditkarte haben. Ohne Kreditkarte durchs Land zu reisen wäre sehr umständlich. Jedenfalls begleitete uns Joe nun nicht mehr und musste bis zum Montagabend (er wollte mit uns am Sonntagmorgen los) warten, bis er mit dem Trail im Nationalpark beginnen kann. Sehr ärgerlich, denn auf großer Reise hat man keine Tage zu verschenken. So verlor er 1 1/2 Tage.
Wir zogen also allein in die Stadt und arbeiteten unsere Liste an organisatorischen Sachen ab. Leider hatten auch wir ein bisschen Pech, da die Reservierungsstelle für die Campingplätze im Nationalpark samstags und sonntags geschlossen war. So blieb uns nur noch die Möglichkeit am Parkeingang bei Trailbeginn unsere kostenfreien Campingplätze zu reservieren. Eine Reservierung war notwendig, da der Nationalpark zu dieser Zeit übervölkert ist und wir sonst keinen kostenfreien Übernachtungsplatz bekommen würden.
Wir kamen abends zurück in unser nun tatsächlich übervölkertes Hostel. Diesmal bekamen wir ein Bett zu zweit in dem Viermannzimmer und Joe bekam das Bett über uns. Eine Chinesin war noch da und eine Asiatin zog in das letzte Bett. Im Wohnzimmer stand eine Kleinfamilie aus Italien, die uns von ihrem nachhaltigen Fahrradprojekt erzählten. Sie fahren 18 Monate lang zu viert mit dem Fahrrad durch Südamerika und starteten in Ushuaia. Finanziert wird das Projekt über Sponsoren. Wir trauten uns nicht nachzufragen was dann mit der Schulbildung der Kinder ist (sie waren vielleicht 5 und 8 Jahre alt). In Deutschland wäre das aufgrund der Schulbildungspflicht wohl nicht möglich. Aber die vier waren dann wieder weg und blieben nicht länger. Ein schweizer Pärchen, die am Morgen anreisten, sind bereits ein Jahr unterwegs und werden noch bis Mai durch Südamerika reisen. Vom Garten kamen plötzlich vier Mädels herein, die uns der Reihe nach mit Wangenküsschen begrüßten (ein eindeutiges Zeichen, dass es sich um Argentinierinnen oder Chileninnen handeln musste). Sie kamen aus Santiago und waren gerade fertig, sich ein großes Zelt im Garten aufzubauen. Es klingelte an der Tür und zwei weitere (natürlich überreservierte) Gäste standen vor der Tür. Austauschstudenten aus Spanien, die ein Jahr in Santiago studieren. In dem Chaos an Leuten kam man zu nichts, weil man sich an jeder Ecke unterhielt. Das waren noch nicht alle Gäste, aber ich habe den Überblick in der kleinen Wohnstube verloren. Jedenfalls schliefen wir zu fünft in dem Vierbettzimmer, fünf in der Wohnstube, die vier Mädels aus Santiago im Zelt, zwei bis drei Personen in dem Dreimannzimmer und die Austauschstudenten aus Spanien im Esszimmer... das Haus war voll! Und ich möchte nochmal betonen, dass wir das Wohnhaus der Familie bevölkerten, in dem die vierköpfige Familie wohnte.
Zum Abendbrot machte uns Gloria (die Hausmutti) Nudeln mit einer, wie ich fand, sehr leckeren Gemüsesoße- keine Ahnung, was da wieder alles drin war. Wein stand auf dem Tisch und am Abendessen beteiligten sich unser Australier Joe, die Hauseltern, die spanischen Austauschstudenten, die vier Mädels aus Santiago, die Chinesin, der Franzose und wir (und Pecho, die knuddelige Haushündin). Eine sehr gemixte Runde, aber das trotzdem war die Atmosphäre sehr familiär und sehr lustig.
Wir blieben länger als wir wollten mit im Esszimmer und verquatschten uns ein bisschen. Wir mussten doch noch unsere Rucksäcke für den Trail am Folgetag packen. Überflüssiges Gepäck konnten wir nämlich im Schlafzimmer unserer Hostelbesitzer unterstellen. Dort stapelten sich schon etliche Gepäckstücke von Leuten, die gerade im Nationalpark unterwegs waren. Jedenfalls kamen wir nicht vor ein Uhr nachts ins Bett und der Wecker stand auf sechs Uhr. Wenig Schlaf und ein sehr anstrengender Folgetag waren also vorprogrammiert.
Liebste Grüße Caro