30.01.2016- Nachdem wir uns für einen Colectivo entschieden haben, ging unsere Reise 12 Uhr los. Unsere Reise: "Eigentlich wissen wir nicht, wie wir nach Salta kommen, aber wir gucken mal." Hinter uns ein Pärchen, das die Fahrt über Kaugummiblasen platzen lassen musste. Neben uns eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind, das dauerhaft gefüttert wurde: erst mit der Flasche, dann gings mit den Brüsten weiter und vorn der Fahrer plus ein weiterer Mitfahrer. Nach 3 Stunden Autofahrt durch den bolivianischen Dschungel kamen wir in Bermejo am Terminal an. Von hier fuhr erst um 1 Uhr nachts wieder ein Bus nach Salta, also beschlossen wir irgendwie über die nahegelegene Grenze zu kommen und in Argentinien Busse nach Salta zu suchen. Wir nahmen uns ein Taxi zur Grenzbrücke. Hier konnten wir zu Fuß die farbige Grenzbrücke (auf der einen Seite die Farben Boliviens, auf der anderen Seite die Farben Argentiniens) überqueren und kamen direkt in die Gepäckkontrolle Argentiniens. Alles gut (trotz Pumpernickel im Gepäck, welches wir in Cuzco im Supermarkt fanden), also weiter. Wir wurden von einem Taxifahrer angesprochen, der uns zur Passkontrollstelle fahren wollte. Es waren wohl nur 200 Meter, aber leicht bergauf für umgerechnet 2 Euro. Natürlich nahmen wir das Taxi, denn es fiel uns mittlerweile sehr schwer, auch nur 5 Meter mit unserem Gepäck zu laufen. Nach einer 1,5 monatigen Reise hat sich unser Gepäck gewichtsmäßig wohl verdoppelt... wir wissen auch nicht so genau, wie das passieren konnte ;) An der Grenzstelle fragte uns der Taxifahrer, wo wir hinwollen. So wartete er auf uns, bis wir die Passkontrolle abgeschlossen haben und brachte uns danach nach "Aguas blancas". Der erste Ort an der argentinischen Grenze. Da wir eh ein neues Taxi hätten suchen müssen, hat sich das angeboten, sodass wir unser Gepäck nicht wieder rauswuchten mussten. In Aguas Blancas erfuhr der Taxifahrer von uns, dass wir nach Salta weiterwollen und dafür einen Bus suchten. Er empfahl uns, ja er drängte schon, dass er uns dafür in den nächsten Ort "San Ramon de la nueva Oran" fahren wollte. Für umgerechnet 20 Euro ließen wir uns also noch nach San Ramon fahren, denn wir hätten tatsächlich nicht gewusst, wie gut wir aus Aguas Blancas wieder herauskommen. Und er versicherte uns ein großes Terminal, wo wir sicher fündig werden. Bis nach San Ramon waren es gut 30 km. Hier bezahlten wir ihm 350 argentinische Pesos für die komplette Fahrt von der Grenze. Mittlerweile war es 17:45 Uhr nach argentinischer Zeit. Durch den Grenzübertritt wurde uns nun wieder eine Stunde geklaut, denn wir mussten sie eine Stunde vorstellen. Wir hatten mittlerweile arge Bedenken, ob wir es noch vor Mitternacht nach Salta schaffen würden. Unser Hostel war gebucht und wir gaben bereits vorsorglich eine Ankunftszeit von 22 Uhr an.
Wir gingen ins Terminal von San Ramon und sahen sofort, dass uns der Taxifahrer nicht zuviel versprochen hatte. Wir steuerten direkt unsere argentinische Stammbusfirma Andesmar an, auf der Suche nach einem Bus nach Salta. Diese verwies uns jedoch zur Firma nebenan. Hier antwortete uns der Mitarbeiter, dass gerade ein Bus nach Salta fährt. Was besseres hätte uns nicht passieren können und wir konnten unser Glück mal wieder nicht fassen. Wir sollten uns beeilen, denn die Abfahrtszeit vom Bus war auch 17:45 Uhr. Der Mitarbeiter rannte nach hinten, damit der Bus auch auf uns wartet. Wir bezahlten nun schnell unsere Bustickets und rannten raus und um das Terminal herum zum Bus. Hier fing uns ein Mitarbeiter ab, der uns unser Gepäck in den Bus lud und wir konnten direkt einsteigen. Wir ließen uns glücklich auf unseren Plätzen nieder und fragten dann die Dame neben uns, wann wir denn in Salta ankommen werden: 22 Uhr. Klasse! Einfach nur perfekt! Damit haben wir nun wirklich nicht mehr gerechnet. Wir hätten auch gut noch Stunden am Terminal in San Ramon sitzen können, stattdessen konnten wir direkt in den Bus springen und verloren keine Zeit mehr. Nur das Essen kam ein bisschen zu kurz, denn wir fanden keine Zeit mehr, uns etwas zu suchen. Aber wir hatten ja Pumpernickel dabei. So schafften wir es auch ohne Plan im Zeitrahmen nach Salta und es war wieder ein bisschen Abenteuer dabei. Das Abenteuer: "Einfach mal los, wir werden schon irgendwo ankommen".
Während der Fahrt musste sich der Bus einer Provinzkontrolle unterziehen. Einer Kontrolle, die wir so auch noch nicht erlebt haben. Ein Polizist bat alle Insassen mit komplettem Handgepäck nach draußen. Alle reihten sich brav mit ihrem Gepäck vor zwei Tische. Hier nahmen zwei Polizisten die Gepäckstücke sehr genau unter die Lupe. Wir beobachteten das Treiben von hinten, weil wir die letzten in der Schlange waren. Irgendwann fiel Lisa auf, dass die alle ziemlich großes Gepäck zum untersuchen abgaben. Wir drehten uns um und sahen neben dem Bus auch unsere großen Rucksäcke liegen. Unsere Augen wurden größer. Wir sollten unsere Rucksäcke auspacken? Die, die doppelt soviel an Gewicht zugenommen haben während der Reise und sichtlich schon aus allen Nähten platzen? Die, die wir vor jeder Abreise eine halbe Stunde lang packen und zusammenquetschen müssen, weil wir sonst nicht alles reinkriegen? Den Rucksack von Lisa, den wir morgens gerade so in einen wasserdichten Packsack quetschen konnten, weil es geregnet hat? Meinen Rucksack, der in Globetrotter-Spanngurten eingehüllt war, damit alles da bleibt wo es soll? Begeistert waren wir ganz und garnicht, aber was sollten wir machen, als nett alles aufzumachen und uns lieb mit den Polizisten zu unterhalten. Wir glauben, dass sie direkt merkten, dass sie nicht unsere kompletten sehr gut gepackten Rucksäcke durchwühlen mussten. Sie beschränkten sich darauf, oben ein bisschen herumzuwühlen, ein paar Zettel und Geldstücke von Peru anzugucken und uns dabei reichlich auszufragen. Ich musste meinem Polizisten erklären, was wir in Argentinien machen und erzählte ihm, dass wir in Mendoza für ein Jahr studieren. Das war sein Gesprächseinstieg und dann kamen Fragen wie: Was studierst du? Aber den Studiengang gibts doch garnicht in Mendoza!? Seit wann studierst du? Du sprichst nur ein bisschen Spanisch (nachdem ich nach Worten suchte)? Wohnst du zur Miete in Mendoza? Was zahlst du an Miete? Wohnst du mit ihr zusammen (er zeigte auf Lisa, die am Nachbartisch von einer Polizistin ausgefragt wurde)? Lisa bekam Fragen wie: Wo kommst du her? Wo willst du hin? Und danach? Und danach? Was studierst du da? Seit wann? Was sind das für Münzen (sie fand Münzen und Lisa meinte, dass sie aus Peru seien. Nach einiger Zeit der Inspizierung stellte die Polizistin dann auch fest, dass es Münzen aus Peru waren)? Schlafsack?...schlaft ihr nicht in Hostels? Wie schlaft ihr draußen? Was hast du zu ihr gesagt (nachdem Lisa mir freudestrahlend berichtete, dass sie nun wenigstens wieder weiß, dass sie ihre Regenjacke nicht im Hostel vergessen hat)?
Nachdem sie uns also ausgefragt hatten und dabei noch ein bisschen unsere Tüten betasteten (wir haben unseren gesamten Rucksackinhalt in Einzeltüten verpackt), durften wir unsere Rucksäcke wieder verpacken. Die Busfahrer warteten bereits auf uns, aber wir brauchten erst einmal wieder einige Minuten, um alles wieder verpackt zu kriegen. So eine Kontrolle haben wir auch noch nicht erlebt und wir haben mittlerweile schon einige hinter uns.
Am Terminal nahmen wir uns mit immernoch leerem Magen direkt ein Taxi zum Hostel. Wir kamen 23:30 Uhr an (durch die Kontrolle doch ein bisschen später als gedacht) und wurden bereits erwartet. Nachdem wir uns in unsere Zimmer einquartiert hatten, fragten wir die Mitarbeiterin, ob noch irgendetwas in der Nähe geöffnet hat, wo wir uns etwas zu essen kaufen könnten. Nein, natürlich nicht, aber sie wollte sich gerade eine Pizza bestellen und da bestellte sie gleich eine für uns mit. Innerlich breiteten sich Freudenschreie in uns aus, denn wir haben uns lange nicht mehr so über Pizza gefreut, wie an diesem Abend/in dieser Nacht. Wir kamen einfach nicht an Essen heran, weil wir von einem Verkehrsmittel direkt ins nächste gesprungen sind. Jedenfalls gingen wir satt und zufrieden 1 Uhr nachts ins Bett.
31.01.2016 - Diesen Tag nutzten wir zum mal wieder Ausschlafen und wachten erst halb zwölf Uhr mittags auf. Wir hatten uns nicht sehr viel vorgenommen, denn es war Sonntag und es hatte eh so gut wie alles geschlossen. Wir kauften uns bei unserem Hostelinhaber eine Weintour für den Folgetag und spazierten dann ein bisschen durch die Gassen Saltas. Der Preis für die Weintour war die Hälfte von dem Preis, den wir uns vorher im Internet bei einem anderen Anbieter herausgesucht hatten und bezahlten statt 700 Peso nur 350 Peso. Der Hostelinhaber war auch ein Typ für sich. Er sah ein bisschen aus wie ein Weihnachtsmann und wirkte im Allgemeinen sehr durcheinander und war total aufgedreht, dabei aber total lieb. Er hatte im Hostel einen Hund, in dem ein deutscher Dackel steckte. "Sweety", der Hund war riesig. Da stand einfach ein zu groß geratener Dackel vor uns. In der Stadt besuchten wir das MAAM-Museum (Museo de Arqueología de Alta Montaña). Hier erfuhren wir, wie die Incas ihre Opferungen auf dem Vulkan Llullaillaco im 15. Jahrhundert vollzogen. Dort wurden drei sehr gut erhaltene Kindermumien mit reichlich Opfergaben ausgegraben. Eines der Kinder, ein siebenjähriger Junge, wurde im Museum gut konserviert ausgestellt. Von den Mädchen sahen wir nur Bilder. In einem anderen Raum sahen wir auch eine Frau, die als Königin der Wolken bezeichnet wurde. Diese war nicht mehr sehr gut erhalten, weil sie lange Zeit ungekühlt in einem Museum auf einer Bank in Buenos Aires saß und sich so ihre Verwesung fortsetzte. Es ist schon eine Wahnsinnsvorstellung, wie die Kinder damals geopfert wurden. Für die Kinder der Familie soll es eine Ehre gewesen sein, geopfert zu werden, da sie dann direkt zu ihren Göttern kommen. Es wurden die schönsten Kinder ausgewählt, mit Fesseln zusammengeschnürt und mit Alkohol "betäubt". Anschließend wurden sie im Vulkan vergraben. Für die Inca waren die Berge heilig, sodass sie ihre Opferungen auf den höchsten Bergen/ Vulkanen vollzogen. Die Kindermumien waren teilweise vom Blitz verbrannt, da die Blitze sehr oft in den Vulkan einschlugen.
Nach dem Museumsbesuch kauften wir im Supermarkt für unser Abendessen ein und waren wieder sehr traurig über die argentinischen Preise. Chile, Peru und Bolivien waren preislich doch so angenehm. Hier werden wir wieder arm, denn auch die Busfahrten sind nun wieder sehr teuer geworden.
01.02.2016- Wir wurden 7:30 Uhr vom Hostel abgeholt. Ein großer Bus, der schon gut gefüllt war, stand vor unserer Tür. Es ging los in die ca. 175 km entfernte Weinbauregion Cafayate. Auf unserem Weg fuhren wir durch die "Quebrada de las conchas" (Schlucht der Muscheln). Vorbei an dem Rachen des Teufels (la garganta del diablo), an dem Amphitheater (el anfiteatro), in dem uns unser Guide ein Lied sang. Wir sahen eine Felsformation, die "Casa de loros" genannt wird (Haus der Papgeien) und den Obelisk (el Obelisco). Und wir fuhren an einer Steinformation vorbei, die sie als Titanic bezeichnen und uns gleich das Lied dazu anspielten. Allgemein waren wir sehr von den bunten Felsformationen in dem Flusstal beeindruckt. Für Geologen wohl ein sehr interessanter Ort.
In Cafayate genossen wir in einem Handwerks-Touri-Laden unsere erste Weinprobe. Ein süßer Wein, der uns noch nicht so zusagte. Wir bekamen zwei Stunden Freizeit zum Essen und zum Herumschauen. Danach besichtigten wir die Bodega "Vasija Secreta". Hier bekamen wir eine kleine Führung und zwei Weinproben: einen Weißwein (Chardonney) und einen Rotwein (Malbec). Nur der Rotwein sagte uns zu, aber umgehauen hat er uns nicht. So konnten wir ganz gut wiederstehen und kauften keinen Wein. Nach der Weinprobe fuhren wir sodann zurück nach Salta durch das wunderschöne Flusstal, für das sich die Reise wirklich gelohnt hat.
02.02.2016 - 05.02.2016
Am Dienstag ging es für uns mit Andesmar um 15:45 Uhr zurück nach Mendoza. So standen uns wieder 18 Stunden Bus fahren in einem -natürlich- 1. Klasse Bus gemütlich mit Decken und diesmal einer Busbegleiterin bevor. Sonst erwarteten uns zu 90 % immer Busbegleiter. Im abendlichem Bingospiel von Andesmar habe ich eine Flasche Weißwein (Chardonney) gewonnen und insgesamt haben wir 3 Filme geguckt. Wir kennen mittlerweile Insurgente (Die Bestimmung-Teil 2) und Jurassic-World auswendig, weil wir diese Filme in den Bussen regelmäßig guckten.
Am Folgetag kamen wir 10 Uhr in Mendoza an. Die nächste Aufgabe: das Gepäck durch die Stadt in unser Haus bringen. Ein Taxi wollten wir uns in Argentinien nicht mehr leisten, also musste es mit dem Bus gehen, welcher erfreulicherweise recht leer war. Wir traten in unser ungewohnt leeres Haus. Die Brasilianerinnen sind nun nicht mehr da. Ich zog von meinem alten Zimmer, die Sauna mit der schrecklichen Matratze, in ein anderes Zimmer auf der Straßenseite. Hier wartete ein Bett auf mich, aus dem ich ohne Rückenschmerzen aufstand und ein großer Einbauschrank. Der Nachteil dieses Zimmers ist die Lage an der Straße und die Verkehrsgeräusche sind sehr sehr laut. Auch die Laternen strahlen direkt ins Zimmer, sodass es nie richtig dunkel ist. Aber was tut man nicht alles für eine bessere Matratze.
Am 06.02. sollte unser Flug nach Patagonien gehen und die übrigen 2 bis 3 Tage in Mendoza verbrachten wir mit den weiteren Reiseplanungen, Wäsche waschen und zweimal 500 Euro tauschen bei Azimo für unsere Reise in Patagonien. Einmal besuchten wir Alejo, um mal wieder Hallo und Tschüss zu sagen. An einem anderen Tag besuchte uns Fede zum Mittag essen. Aber Mendoza war ja nur ein kleiner Zwischenstopp, weil wir noch nicht am Ende unserer Reise waren -> nächstes Ziel: Ushuaia... das Ende der Welt. Wir fuhren aber mit gemischten Gefühlen zum Flughafen. Einerseits freuten wir uns, dass wir weiterreisen und nun Patagonien entdecken können. Andererseits war es sehr gemütlich, mal wieder irgendwo angekommen zu sein. Reisen kann auch sehr anstrengend sein und für Ushuaia haben wir vier Tage vorher keine bezahlbare Unterkunft mehr gefunden, sodass wir schon auf Couchsurfing ausweichen wollten. Da wir keine Antworten von Couchsurfern bekamen, beschlossen wir uns, bei Ankunftvon einem Taxi auf einen Campingplatz fahren zu lassen. So ging es nach einer kurzen Pause für uns also wieder ins nächste Abenteuer... Flugzeug fliegen- yeeeaaaaaah- meine Vorfreude war groß ;)
Hasta la vista, Caro