Seit dem letzten Blogeintrag in "in Mendoza" ist wieder etwas Zeit vergangen und wir haben wieder reichlich zu berichten. Deshalb versuche ich das diesmal mehr über Daten einzuordnen.
24.10.2015 Altos Limpios, Lavalle (die sogenannte Wüste in Lavalle)
Für diesen Samstag meldeten wir uns wieder für einen Ausflug mit der Studentengruppe "Descubriendo Mendoza" an (zur Erinnerung: der erste Ausflug mit dieser Organisationsgruppe führte uns zum Mirador del Aconcagua). Dafür trafen wir uns wieder ein paar Tage vorher mit Agustín und bezahlten jeweils 300 Peso inklusive Mittagessen. Zwei unserer brasilianischen Mitbewohnerinnen haben sich zu dem Zeitpunkt auch schon angemeldet. Frühs um 8:30 Uhr sollte es losgehen. Am Abend vorher rechnete mir eine Brasilianerin aus, wann wir dann morgens losmüssen. Nach ihrem Plan reichte es, um 8:00 Uhr aufzustehen und dann 8:20 zum Bus zu gehen. Ehm. Ich hatte das kurz überschlagen und sagte recht schnell, dass ich mit Lisa morgen vorher noch etwas einkaufen möchte und wir deshalb früher losmüssen. Da musste man schon lügen, nur weil man pünktlich sein wollte. In 10 Minuten von unserem Haus ins Zentrum? Das war schlichtweg unmöglich. Zumal man nie weiß, wann die Busse letztendlich kommen, vor allem am Wochenende. Wir gingen auf Nummer sicher und zogen schon um Acht los. Es war kalt und nass draußen. Nicht gerade perfekt für einen Wüstenspaziergang. So standen wir also 8:20 Uhr am Treffpunkt und warteten in der Kälte. Natürlich waren wir die Ersten und um 8:30 Uhr waren vielleicht erst 5 Leute da (von 40). Der Bus, mit dem wir fuhren, kam so gegen 8:40 Uhr. So konnten wir im geschützten Bus auf den Rest warten und kurz nach 9 Uhr waren dann sogar unsere Brasilianerinnen da. Die beiden zählten zu den letzten, sodass wir doch dann tatsächlich 40 Minuten später abfahren konnten. In Deutschland gibt man die Abfahrtzeit an, hier wohl tatsächlich den Zeitpunkt AB dem man sich trifft + 1 Stunde Toleranzzeit, bis dann alle da sind. Das nervt ein bisschen und ist unserer Meinung nach sehr ineffektiv. Die Brasilianerinnen waren übrigens nicht sehr warm gekleidet und ich befürchtete, dass die beiden mit ihren Jacken, gerade mal bis zur Gürtelschnalle, erfrieren werden. Sie legen eben lieber Wert auf schickes Aussehen. Und Jacken oder Shirts, die nicht eng anliegen und über eine Gürtelhöhe hinausragen, sind eben nicht schick genug. Das beste ist bauchfrei, aber dafür ist es noch zu kalt, da ist es noch ok, wenn der Bauch gerade so bedeckt ist, aber bloß nicht mehr. Der Bus war dann auch nicht geheizt, sodass wir zitternd auf unseren Sitzen saßen.
In Lavalle gesellte sich dann ein Guide zu unserer Gruppe, der uns von da an alles über die Geschichte der Umgebung erzählte. Mit ihm fuhren wir noch weiter zu einem Anwesen, auf dem wir nachmittags noch gegessen haben. Von dort aus startete unsere Wanderung (inklusive zwei Snowboardbretter) in die Steppe hinein. Mittlerweile hat es nicht mehr geregnet. Noch gab es Vegetation und es hatte noch nicht soviel von dem, was ich mir unter einer Wüste vorstelle. Der sehr lehmige Boden war von Trockenrissen gekennzeichnet. Also ab und an gibt's dort wohl doch Wasser. Wir gingen vielleicht eine Stunde und irgendwie wurde es immer wärmer. Der Boden strahlte so viel Wärme ab, dass wir nach und nach unsere Kleiderschichten auszogen. Die Rettung für unsere Brasilianerinnen. Und dann sahen wir sie, die Wüste von Lavalle. Sie besteht aus einigen sehr großen Sandhügeln, die offiziell "Altos Limpios" heißen. Plötzlich wurden mal wieder alle zu Kindern, die mit dem Sand spielen. Das war sehr lustig. Auch wir versuchten, uns einzubuddeln, aber das hat nur mäßig funktioniert. Der Sand war zu fein und zu trocken. An einer guten Stelle auf einem Sandhügel wurden die Snowboardbretter ausgepackt. Lisa und ich fuhren gemeinsam wie auf einem Schlitten den Berg herunter. Es war ganz lustig. Nachdem wir zwei Stunden im Sand spielten, wurden wir vom Bus an der Straße abgeholt und wieder zu dem Anwesen gefahren, die schon ein Hühnchenasado vorbereitet hatten, sodass es dann für uns ganz viel Huhn vom Grill gab. Sehr lecker. Das Anwesen war zeitgleich die Infostation der Altos Limpios, sodass wir hier noch auf einen Touri-Erkundungspfad gehen konnten. Nach dem Essen fuhren wir in ein noch nach alter Tradition lebendes Einwandererdorf. Wir sahen viele Lehmöfen, eine Ziegenherde, den Friedhof und eine kleine Kirche. Eine Grabstelle war besonders. Um das Grab herum lagen überall leere Wein-, Bier-, Schnapsflaschen. Lisa übersetzte mir dazu die Geschichte vom Guide: Es gab einmal einen Säufer, der vor seinem Tod prophezeite, dass der Himmel drei Tage lang weinen wird (dass es regnen wird), wenn er einmal stirbt. Nach seinem Tod hat es dann wohl tatsächlich drei Tage lang geregnet, was ein Segen für die Leute in diesem Dürregebiet war. Seitdem bringen die Leute Alkohol und Zigaretten an sein Grab, um bei ihm Regen zu erbitten.
An diesem Tag hatten wir noch besonders viel vor. Am Abend wollten wir eigentlich noch 21 Uhr mit auf den Cerro Arco wandern, da eine Vollmondnacht war und es hier fast üblich ist, dass die Leute sich Mendoza bei Vollmond von oben anschauen wollen. Das wollten wir auch erleben. Da es an diesem Tag aber besonders bewölkt war, entschieden wir uns, unten zu bleiben. Wir waren auch noch auf eine Geburtstagsfeier von Fabricio eingeladen. Hier sollten wir nach unserer Cerro Arco-Tour noch dazustoßen. Aber auch das haben wir körperlich nicht mehr geschafft, denn wir waren nach der Sandwüste doch sehr kaputt und wollten nur noch ins Bett.
Die folgende Woche waren wir mal wieder mit unserem Visumantrag beschäftigt. Nachdem wir endlich alle Unterlagen zusammen und alles ordentlich übersetzt und 3 mal offiziell absegnen lassen hatten, konnten wir einen Termin im Migrationsamt machen. Wir hatten einen Termin in der Stunde von 8 Uhr bis 9 Uhr. Wir fanden, dass ziemlich viele einen Termin in dieser Stunde hatten, denn der Wartebereich war trotz "Termin" voll. Ich versuche mal, das Arbeitssystem dort zu erklären. Jedenfalls wie wir es mitbekommen haben. |Phase 1| Es gibt einen Empfang und der Mann am Empfang sitzt die meiste Zeit hinten irgendwo im Raum und quatscht mit seinen Mitarbeitern. Wenn er dann ca. 5 Leute am Empfang sieht, kommt er doch mal nach vorn und nimmt die Terminanmeldung entgegen. Vorher hätte sich das ja auch noch nicht gelohnt, aufzustehen. |Phase 2| Die Terminanmeldungen bekommt dann ein Mitarbeiter neben dem Empfangsbereich auf den Tisch. Dieser (er allein) ruft der Reihe nach die Leute auf und nimmt die Anträge auf. Für uns ist er sogar aufgestanden und hat uns nur mit chicas gerufen. Da konnte er wohl unsere Namen nicht aussprechen :) Er druckte einen Zettel zum Unterschreiben aus und nahm (mal wieder) all unsere Fingerabdrücke auf. Dann sollten wir uns wieder hinsetzen und erneut warten. |Phase 3| Wir wurden an einen der hinteren drei Tische gerufen, wo dann unser Antrag bearbeitet wurde... bzw. bearbeitet werden sollte. Aber wir hatten ein Dokument, mit dem er nichts anfangen konnte. Unsere "nette" Sekretärin in der Fakultät für Ingeniería hat uns bei unserer Ankunft ein formloses Dokument mit dem Namen "Constancia de Inscripción" übergeben. Sie meinte, dass dieses Dokument sehr wichtig ist, weil wir das im Migrationsamt vorzeigen müssen. Pustekuchen. Der nette Herr von Phase 3 wollte ein anderes offizielles Dokument. Also zogen wir direkt los zur Uni, um dieses Dokument zu besorgen. Aber wir gingen direkt ins Rektorat, weil wir keine Lust hatten, unserer Sekretärin zu erklären, dass ihr Dokument für die Mülltonne ist. Hier hatten wir auch schnell einen Ansprechpartner. Eine Mitarbeiterin musste ihren PC für uns räumen, damit wir dort online ein offizielles Dokument ausfüllen konnten, was uns direkt ausgedruckt, unterschrieben und gestempelt mitgegeben wurde. Das war ungewohnt effektiv. Mit unserem richtigen Dokument fuhren wir wieder zurück in die Stadt, direkt in die Phase 3. Nun konnte der Mitarbeiter unsere Anträge bearbeiten und gab uns eine Rechnung über jeweils 600 Peso, die wir bitte in der Bank bezahlen sollen. |Phase 4| Dieses Prozedere kannten wir schon von unserem Führungszeugnis. Das mussten wir auch vorab in der Post bezahlen. In Deutschland hat man für solche Zahlungsvorgänge Kassenautomaten. Hier rennt jeder zur Post oder Bank. Die Bank war nicht schwer zu finden. Nur ob sie offen hat, kann man sich auch nie sicher sein, denn Öffnungszeiten stehen nirgends. Die Bank hatte offen, aber wahrscheinlich nur noch eine Stunde, weil dann Siestazeit war. Ich erwähnte bereits, dass jeder Rechnungen bekommt, die in der Bank oder in der Post bezahlt werden müssen. Wir haben das Ende der Schlange erst gesehen, als wir um das Gebäude drumherum gelaufen sind. Da wären wir vor der Siesta niemals mehr drangekommen und die Bank hätte wahrscheinlich vor unserer Nase geschlossen. Also gaben wir erstmal auf und ich fuhr nach Hause, weil ich auch Mittagschlaf und eine Siesta brauchte. Lisa blieb noch in der Stadt, weil sie noch zur Post musste. Ab hier muss also Lisa weiter über Phase 4 und 5 berichten. Die habe ich verschlafen.
Lisa berichtet: Die Post hatte den Montag leider geschlossen, weil am Wochenende Wahlen waren. Den Zusammenhang verstehe ich nicht, aber gut. Stattdessen machte ich mich auf den Weg zu einer anderen Bank, in der Hoffnung, noch vor der Siesta unsere Rechnung bezahlen zu können. Da die Filiale etwas größer war, gab es ein Nummernsystem. Das bescheuertste, welches ich je erlebt habe. Aber Ineffektivität ist ja hier Tagesordnung. Ich stand vor einem Automaten mit einer ganzen Reihe an Auswahlmöglichkeiten, welche ich nicht verstand. Also fragte ich den älteren Herren hinter mir, aber der wusste auch nicht weiter und gab mir irgendeine Nummer. In der Filiale gab es mehrere Wartebereiche, sortiert nach ebendiesen Nummern. Leider war ein Teil der Monitore ausgefallen, sodass ich nicht wusste, wo ich mit meiner Nummer hinmusste. Daher fragte ich einen der Security-Männer, die da zu Haufe herumstanden. Dieser sagte mir, dass ich die falsche Nummer habe, gab mir eine neue und zeigte dann unbestimmt irgendwo hin, wo ich warten sollte und verschwand. Ich hatte nur das Wort "fila" herausgehört, also Schlange. Und da es nur eine Schlange gab, fragte ich dort die letzten, was sie denn für eine Nummer haben. Natürlich war das eine andere, sie hatten eine Nummer, welche mit D begann, meine begann mit C. Sie schickten mich in den anderen Wartebereich, aber dort hatten alle ein E und der Security-Mann dort schickte mich zurück zum Wartebereich für Nummern mit D. Dort traf ich den Mann wieder, welchen ich ganz am Anfang am Automaten getroffen habe. Dieser hatte mittlerweile drei Nummern, da er mehrere Anliegen erledigen wollte und fragte dann den dortigen Security-Mann aus. So erfuhr ich, dass ich warten musste, bis alle Leute mit der Nummer D durch waren und dann die Leute mit einem C an der Reihe waren. Aha. Problem war jedoch, dass ja immer neue Leute kamen und eine D-Nummer zogen. Also musste ich bis zur Siesta warten, denn dann kamen keine neuen Leute mehr, die eine D-Nummer ziehen konnten. Am Anfang unterhielt ich mich noch eine Weile mit dem älteren Herren und er gab mir seine C-Nummer, sodass ich dann wenigstens etwas eher dran kam. Er verfluchte das argentinische System mehr als ich in diesem Moment. Aber er war bald dran und ich saß alleine rum, mit ein paar wenigen Leuten, die ebenfalls eine C-Nummer hatten. Aus lauter Langeweile holte ich mein Handy zum Spielen heraus, aber wurde von der Security sofort gebeten, das bitte wieder wegzupacken. Also saß ich rum und starrte Löcher in die Luft und beobachtete die Leute. Es wurden immer zehn Nummern aufgerufen (die Monitore waren ja kaputt), welche ebendiese Schlange bilden, die ich anfangs schonmal erwähnte. Diese wurden dann jeweils einer Kasse zugeordnet, je nachdem, welche frei wurde. Als nur noch drei in der Schlange standen, wurden die nächsten zehn aufgerufen, bis keine mehr da waren. Dann durften die C-Leute vor, wir mussten aber eine extra Schlange bilden, es standen ja noch D-Leute an. Wir waren ca. zehn, mehr nicht. Diese zehn Leute mussten wohl den ganzen Vormittag warten, um an DERSELBEN Kasse ihre Rechnungen zu bezahlen. Wir wurden dann übrigens im Reisverschlusssystem mit der D-Schlange vermischt.
Da ja nun Siesta war, hatte das Amt für Migraciones geschlossen und ich fuhr genervt heim. Am nächsten Morgen machte ich mich erneut auf den Weg, wieder alleine, denn Caro hatte ja Spanischkurs. Ich brauchte diesmal keinen neuen Termin, da unser Antrag ja bereits in Bearbeitung ist. |Phase 5| Als ich dort ankam, hatte kaum jemand was zu tun, es saßen zwar ein paar Leute herum und warteten, aber alle Mitarbeiter saßen an irgendwelchen Schreibtischen zusammen und quatschten. Ich wurde gleich wiedererkannt und der Bearbeiter aus Phase 3 nahm meine Rechnungen entgegen, ich musste kurz warten und erhielt dann ein Vorvisum für uns beide, das richtige Visum können wir uns Ende November aus dem Internet herunterladen. Aber so kann man es bei Verlust jederzeit wieder ausdrucken. So einen praktischen Aufkleber für den Reisepass kennen sie anscheinend hier nicht. Den Zettel müssen wir ab sofort auf Reisen dabei haben. Das war es von meiner Seite, Liebe Grüße, Lisa
Am Mittwoch, den 28.10. traten wir unsere 2. Zwischenklausur in Viticultura an. Ich hab sogar schon ein paar mehr Sätze hingeschrieben, aber die Antworten kannten wir trotzdem nicht. Eine unserer Viticultura-Profes mag uns nicht, weil wir schon von Grund auf nicht für das Fach lernen und mit der Einstellung in das Fach gehen, dass wir eh nicht bestehen müssen. Aber es ist ja auch so. Wir machen ja Viticultura nur aus Interesse und sehr viel mit Hydrologie hat das ja nun nicht zu tun. Und grundsätzlich haben wir einfach keine Ahnung von dem Stoffgebiet. Zeit zum Lernen finden wir keine, da liegen unsere Prioritäten woanders. Meine Prioritäten liegen beim Spansich lernen, Lisas Prioritäten spreche ich gleich nochmal an. In der Woche davor waren wir in Viticultura auch wieder auf dem Weinfeld. Alle Triebe, die nicht benötigt wurden mussten ab. Das sorgt dafür, dass die stehengelassenen Triebe besser wachsen können und die Trauben grunsätzlich eine bessere Qualtität bekommen. Auch hier gab es ursprünglich mal Bilder, aber Lisas SD-Karte hat nach dem Sandwüstenbesuch alle Bilder gelöscht und zu dem Zeitpunkt waren diese noch nicht auf dem Rechner.
Zu Lisas Prioritäten: Lisa zieht ihren Gitarrenunterricht mit Fede wirklich knallhart durch. Wöchentlich treffen sich die beiden, spielen Gitarre und lernen danach Deutsch. Sie bringt dann immer viele Hausaufgaben von Fede mit, was sie auf der Gitarre die Woche über üben soll. Und als ob das noch nicht reicht, nimmt sie doch tatsächlich noch Gesangsunterricht bei Fedes Gesangslehrer ;) Ich bin sehr gespannt, wie sich das das Jahr noch entwickelt. Am Ende vom Jahr erwarte ich, dass sie mir ein Lied singt und jenes mit der Gitarre begleitet.
Am Sonntag, den 01.11. fuhren wir mit Fede in die Thermen von Cacheuta. Wir waren vorher skeptisch, ob wir wirklich fahren sollen, denn das Wetter sollte schlecht werden. Aber wir dachten, wenn es regnet, sind weniger Leute dort. Also entschlossen wir uns, zu fahren, denn es gibt auch einen überdachten Bereich. Fede erledigte den Verpflegungseinkauf für uns, denn vor Ort konnte man selber Asado machen. Wir trafen uns morgens am Terminal und sind dann gut eine Stunde mit dem Bus in die Berge gefahren. Einen Mate im Bus gab es leider nicht, denn im Terminal platzte die Isolierung unserer Thermoskanne und sie lief aus, wir hatten also kein heißes Wasser mehr zur Zubereitung. Die Thermen befinden sich in einer kleinen Ortschaft, welche schon sehr auf Touristen ausgerichtet ist. Hier kauften wir noch Holz für den Asadogrill. Wir entdeckten auch gleich eine Brücke, die uns sehr bekannt vorkam. Ein paar Tage vorher hatte uns Jessica (die neue brasilianische Mitbewohnerin) ein Video von einem Bungeejumping-Sprung von ihr gezeigt. Der war von dieser Brücke. Lisa und ich waren uns einig, dass wir sowas niemals tun wollen. Aber Jessica hatte sehr viel Spaß dabei.
So kamen wir also an der Therme an, mitten in den Bergen gelegen. Ein traumhaftes Ambiente. Die Therme ist gekennzeichnet von sehr vielen Becken mit unterschiedlicher Wassertemperatur. Von kalt bis heiß alles dabei. Dazu werden die heißen Quellen von Cacheuta benutzt. Wir schlossen unsere Sachen in einen Spind und da es noch recht kalt war, bevorzugten wir das heißeste Becken, was wir finden konnten. Das war Entspannung pur. So konnten wir tatsächlich den ganzen Tag verbringen. Mittags suchten wir dann die Asadostellen auf. Die Sonne zeigte sich und es war das herrlichste Wetter überhaupt. So aßen wir gemütlich bei Sonnenschein und tranken Wein. Nach dem Essen zogen wir uns wieder in die Becken zurück, um weiter zu entspannen. Ein sehr schöner Tag ging so zu Ende. Mein Problem bei der Abfahrt war allerdings, dass ich sehr sehr starken Sonnenbrand hatte. Vielleicht ein bisschen provoziert, weil ich mich mit Absicht ein wenig beim Grillen in die Sonne gelegt habe. Wir hatten keine Sonnencreme dabei, denn wir haben uns ja auf schlechtes Wetter eingestellt. So verbrannt musste ich mich nach Hause quälen. Auf dem Weg nach Haus erntete Lisa unweit von unserem Haus Aloe Vera, um mich dann damit zu versorgen. Eine sehr gute persönliche Krankenschwester hatte ich da. Ich war froh, keinen Sonnenstich zu haben, dennoch war ich am ganzen Körper stark verbrannt und musste noch eine Woche mit diesem kämpfen. Aber wie sagt man so schön... aus Fehlern lernt man und ich wollte ja nicht hören.
Am Dienstag, den 03.11. lud uns Fede wieder zu einer Choraufführung ein. Diesmal im Theater, das war also schon etwas besonderes. Hier traten wieder mehrere Chore aus ganz Südamerika auf und es war eine sehr schöne Atmosphäre. Ansonsten waren wir die Woche ziemlich viel mit der Uni beschäftigt. Wir müssen nämlich diesen Freitag eine Belegarbeit über ein Thema der Vorlesung zur Planung von hydrologischen Umweltressourcen abgeben. Das nahm uns auch das ganze Wochenende ein. Lediglich Sonntag (8.11.) nahmen wir uns frei und setzten uns in einen Bus, der uns an den Rand von Mendoza brachte. Hier sollte der Fluss Mendoza sein. Viel Wasser fanden wir aber nicht vor, denn er wird weiter oben angestaut. Von ökologischem Mindestabfluss haben die hier wohl noch nicht soviel gehört. Das ist auch ein kleiner Punkt, den Lisa in ihrer Belegarbeit anspricht, denn sie schreibt über Talsperren. Ich schreibe über die Wasserkontamination der Flüsse und kritisiere damit das Abfallproblem in Argentinien. Ob wir mit unserer Kritik gut ankommen, bleibt fraglich. Nach dem Flussbesuch entschieden wir uns, wieder in die Stadt zu fahren und Eis zu essen, denn Lisa kannte schon einen Eisladen mit super leckerem Eis. Das konnte ich nur bestätigen. Am Abend saßen wir zu zweit gemütlich mit Wein auf unserer Terasse. Sehr entspannt. Bis Lisa mich auf eine Fledermaus aufmerksam machen wollte. Als ich hinsah, kam von Lisa aber nur noch ein "Oh, jetzt ist sie im Haus". Sie ist geradewegs ins Haus geflogen. Also machten wir uns mehr oder weniger im Dunkeln auf die Suche nach unserer Fledermaus. Wir fanden sie schnell. Dann brauchten wir einen Plan, wie wir sie wieder aus dem Haus leiten können. Aber vorher brauchten wir noch ein Foto und dann kam der Schreck. Mein Licht an meinem Handy ließ einen Blick auf das ETWAS zu. Es war keine Fledermaus, sondern eine Konfrontation mit einem Nachtfalter in Übergröße. Es war die pure Konfrontation mit meiner Angst. In Deutschland renne ich schreiend durch die Wohnung, wenn ich so einen Falter in meinen vier Wänden habe. Nur hatte dieser Nachtfalter Fledermausgröße. Deshalb rannten wir beide schreiend durch die Wohnung, als unser Falter umhergeflogen ist. Nach einer halben Stunde hat es der Falter endlich geschafft und war wieder in Freiheit. Uns kam auch keiner zu Hilfe, also haben wir wohl nicht zu laut geschrien. Jedenfalls konnten wir beruhigt schlafen gehen, denn unser Hausmonster war wieder weg.
Hier kommt nun wieder ein kleiner Einschub von Lisa, denn das habe ich mal wieder verschlafen:
Lisa berichtet: Ja, ich wachte Samstag morgen ca. halb fünf auf, wusste erst nicht genau, was passierte. Stellte aber schnell fest, dass wieder einmal die Erde bebte. Ich lag wie gelähmt im Bett und in meinem Kopf rasten alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen durch. Der erste Gedanke, aus dem Haus zu stürmen, verwarf ich schnell, denn eh wir alle Türen aufgeschlossen hätten, wäre es wohl zu spät. Also blieb nur der Türrahmen. Aber während dieses Entschlusses war der Spuk schon wieder vorbei. Schlafen konnte ich erstmal nicht mehr, zu viel Adrenalin im Blut. Stattdessen jagte ich einer unserer Mitbewohnerinnen einen gehörigen Schrecken ein, als ich vor meiner Tür wartete, bis das Bad frei wurde. Die drei kamen zu dem Zeitpunkt gerade von einer Feier zurück und Julia war wegen dem Beben ziemlich aufgeregt. Sie erzählte mir von einer brasilianischen Legende der "Rubia", also der Blonden, die in den Toiletten herumspukt und sie sich deshalb so erschrak. Schlafen konnte ich dann doch noch ein bisschen und stürmte am nächsten Morgen zu Caro ins Zimmer, die mich nur ungläubig anschaute und meinte, sie hat nix gespürt. Sie muss echt tief geschlafen haben^^. Man unterscheidet hier übrigens zwischen einem Temblor, einem Zittern der Erde, welches nur sehr geringe Schäden verursacht, und einem Terremoto, also einem richtigen Erdbeben mit großen Schäden. Jedenfalls haben wir diese Woche ganz schön viel Putz beim Hausputz zusammen gekehrt. Aber der bröselt eigentlich ständig ab, denn das Haus bebt schon, wenn draußen die Straßenbahn vorbeifährt.
Am Mittwoch hatten wir wieder Viticultura und diesmal ging es nicht in den Vorlesungssaal, sondern in die Autos der Studenten und dann in einer Kolonne in eine Bodega (Weingut). Hier hörten wir uns einen Vortrag über die Bewirtschaftungsweise der Bodega an und mit welchen Problemen sie gerade zu kämpfen haben. Lisa übersetzte mir, dass sie Erntemaschinen benutzten und sich im letzten Jahr welche aus Chile zu Hilfe geholt haben. Damit haben sie dann Schädlinge eingeschleppt und so musste die Qualität der Weine darunter leiden. Denn sie mussten sich darauf konzentrieren, durch Schädlingsbekämpfungsmittel das Weinfeld zu retten. Dieses Jahr können die Schädlinge nicht richtig bekämpft werden, weil es immer regnet. Zusätzlich mögen die Weinpflanzen keinen Regen, sodass sich auch das auf die Qualität der Weine auswirken wird. Also alles hochinteressant und zudem war es eine sehr schöne Bodega.
Chao! Caro