Ski andin!

29.09.2015 15:54

 

So verbrachten wir den vorletzten Montag (21.09.): mit Ski fahren in den Anden... und da wir ja nicht im alpinen Raum waren, heißt es vielleicht Ski Andin hier, aber das habe ich mir ausgedacht^^

Sonntag morgen fragte uns Fabricio, ein Freund vom Stammtisch, ob wir nicht Lust hätten, mit Ski fahren zu kommen. Natürlich sagten wir schnell zu, denn das Angebot, welches er herausgesucht hatte, war ziemlich gut. Ein Sportladen stellte die Skiausrüstung sowie den Transport zum Skigebiet Los Penitentes für 300 Pesos (ca. 20 €). Sonntag Abend probierten wir vor Ort Schuhe und Skier an. Und da Caro und ich ja auch Kleidung brauchten, probierten wir auch diese. Am Anfang fanden wir es verwunderlich, dass hier die meisten ihre Sportkleidung ausleihen, doch nun fanden wir das sehr praktisch, denn Skikleidung zählt nun wirklich nicht zu unserer Minimalausrüstung. Ein schicker Overall, Handschuhe und eine Skibrille bekamen wir für 150 Pesos (10 €). Schwieriger jedoch gestaltete sich die Suche nach einem Helm. Im Laden konnte man nur welche kaufen, das fanden wir für einmal benutzen sinnlos. Also fragten wir Fabricio, ob er wisse, wo man sich einen Helm leihen könnte. Aber statt zu antworten, brach dieser in ein herzhaftes Lachen aus und fragte, ob wir das ernst meinen. Natürlich meinten wir das ernst! Aber wir würden hier keinen Helm brauchen, das ist nicht gefährlich und nur ein kleines Skigebiet. Das empfanden wir nun nicht so, schließlich waren wir beide erst einmal Ski Alpin fahren in unserem Leben und das an einem wohl im Vergleich winzigen Skihang in Altenberg im Erzgebirge. Wir beschlossen, danach einfach in anderen Läden zu fragen. Unsere Ausrüstung konnten wir gleich im Laden lassen, da am nächsten Morgen der Bus dort abfuhr. Einen Helm fanden wir auch noch, wobei uns keiner der wenigen vorhandenen Helme so richtig passte. Als aber aus einem Zweigladen des Geschäfts noch drei weitere Helme geholt wurden, hatten wir beide dann einen einigermaßen festsitzenden und bequemen Helm (und ein breites Grinsen von Fabricio, der den ganzen Heimweg noch Witze über unsere Helme machte). Die Mitarbeiter des Geschäfts fanden das mindestens genauso witzig, wie Fabrizio.

Montag morgen trafen wir uns um sieben am Sportgeschäft, luden unsere Sachen in einen kleinen Bus und dann ging es auch schon wieder auf die kurvige Strecke der RN7. Nur empfanden wir diesmal die Fahrt noch schlimmer. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen schlafen, aber das war absolut nicht möglich...so sehr wurden wir hin und her geschleudert und wir hüpften auf unseren Sitzen auf und ab. Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir den Skihang...wir waren nun sehr glücklich über unsere Helme. Denn natürlich war er viel größer als der Skihang in Altenberg und zu diesem Zeitpunkt sahen wir noch gar nicht das gesamte Ausmaß dieses Skihanges. Wir zogen uns im Bus um und dann gings rauf auf die Piste. Zum Glück gab es einen kleinen Hang zum Üben. So probten wir ein wenig die Technik, den Dreh bekamen wir dann auch schnell wieder raus. Aber dann hieß es, hinauf auf den Berg. Wir schluckten ein wenig, aber was blieb uns anderes übrig...wir konnten ja nicht den ganzen Tag am Kinderhang fahren...das wird auf Dauer langweilig. Mit einem missmutigen Blick von Caro stellten wir uns am Sessellift an...so geheuer war ihr dieser nicht. Aber sie stieg ohne zu Zögern in den Sessellift ein. Und dann ging es hoch. Ohje...die arme Caro...ich quatschte sie munter zu, aber sie saß ganz still neben mir. Raus konnte man ja nun nicht mehr ;) Aber ihre Lust auf das Ski fahren war größer und dafür nahm sie auch den Sessellift in Kauf. Wir fuhren bis zur Mittelstation und verabschiedeten uns von Fabricio und seinen Kumpels, die noch höher wollten. Wir wollten überhaupt erstmal wieder im Tal ankommen, nur probehalber ;) Wir suchten uns die blaue Piste (grün ist die einfachste, blau die mittlere und rot die schwere Piste) und rutschen langsam los. Zunächst ging es gemütlich bergab und wir wären auch schneller gefahren, wenn nicht neben der Piste der Abgrund gewesen wäre, vor dem hatten wir ein bisschen Angst. So kurvten wir gemütlich bis zum Hang...der war dann für uns ein etwas härterer Brocken, den wir nur mit einigen seichten Stürzen schafften. Aber langsam stieg die Lust auf und so rutschten wir wieder zum Sessellift und diesmal fuhren wir ganz hoch. Oben erwartete uns eine gewaltige Aussicht. Man sah faszinierende Felsformationen, die man von unten nicht sehen konnte, schneebedeckte Berggipfel und man hatte einen schönen Blick in das Tal, in dem die Routa Nacional 7 verläuft. Auch hier gab es eine blaue Piste für uns und wir dachten, dass uns dieser schöne, leicht abschüssige Weg zur Mittelstation bringt...Pustekuchen...wir standen irgendwann am Abgrund...und hatten die Wahl, einen sehr steilen Abgrund herunterzufahren oder einen steilen Abgrund...wir entschieden uns für den steilen. Nachdem wir oben eine Weile rumsaßen und Mut gesammelt haben, fuhren wir vorsichtig und langsam los. Unser Problem war nur, dass wir nach der ersten Kurve für unser Empfinden schon viel zu viel Geschwindigkeit hatten, also nutzten wir unsere Bremsbacken und ließen die anderen Skifahrer, die deutlich schneller als wir waren, vorbei. Aber zum Glück verteilten sich die Leute auf den verschiedenen Pisten, sodass wir uns in aller Ruhe den Abgrund hinunter kämpfen konnten. Während ich mehr ungewollt auf dem Bauch hinunterrutschte, tat Caro dies mit Absicht auf dem Po.

Weiter unten und einige Stürze später wurde der Hang etwas flacher und zu unserer Freude fuhren wir durch eine Art breite hohle Gasse. Das hieß, wir konnten immer links und rechts ein Stück den Hang hinauffahren, das bremste uns ab und wir wurden nie zu schnell. Eine echt schöne Strecke, wäre da eben nur nicht dieses verdammt steile Stück am Anfang. An der Mittelstation überredete ich Caro, gleich nochmal hoch zu fahren, da mir dieser Streckenabschnitt mehr zusagte als die Talfahrt. Also ging es wieder rauf...und wieder saßen wir eine Weile am Abhang und redeten uns Mut ein. Ich setzte mich dann einfach vor jeder Kurve hin, wendete auf dem Rücken liegend meine Skier, rappelte mich wieder auf und fuhr auf die andere Seite, dort das gleiche dann wieder. So wurde ich nie zu schnell. Caro entdeckte derweil den Dreh mit dem Schneepflug, den ich noch nicht raushatte...jedes Mal, wenn man seine Skier auch nur kurz Richtung Tal ausrichtet, wird man gleich sehr viel schneller. Ab und zu brauchten wir eine Pause und saßen dann einfach rum. Da kam immer jemand vorbei und fragte, ob alles in Ordnung ist und ab und zu entstand das ein oder andere Gespräch. So erfuhr ich z.B., dass wir uns auf einer Höhe von ca. 3200 m befanden...und hier war die Luft schon merklich dünner. Daher waren wir auch jedes Mal so schnell k.o. und brauchten unsere Pausen im Schnee. Wir hatten auch kräftig Herzklopfen, das kann aber auch an dem Abhang gelegen haben. Schon im Lift hatten wir gespürt, dass die Luft viel dünner war, das Einatmen viel schwerer. Diesmal wollten wir wieder ins Tal hinunter, um eine Pause zu machen und den Fotoapperat zu holen. Wir kamen auch besser den zweiten Abschnitt hinab, ich aber auch nur mit einem Sturz^^ Unten saßen wir dann auf dem Boden, aßen glücklich unsere Sandwiches, als plötzlich wieder die Erde wackelte. Aber nach drei Stößen war der Spuk schon wieder vorbei. Aber wir überlegten, dass dies wohl der Grund ist, warum immer mal kleine Felsbrocken auf der Piste lagen...die lagen auf dem Schnee und sahen frisch abgebröselt aus. Obwohl wir fix und alle waren und unsere Beine zitterten, wollten wir nun wenigstens noch einmal runter. Wir waren überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist, denn bisher waren wir insgesamt nur zwei mal komplett hinunter gefahren...aber wir hatten noch zwei Stunden für die dritte Fahrt und wir wollten doch noch Bilder machen. Also nochmal rauf. Die anderen fuhren nun die rote Piste, aber das trauten wir uns nun wirklich nicht zu. Uns reichte ja schon das steile Stück am Anfang unserer Piste.

Diesmal hatte ich ganz schön zu knabbern. Zwar hatte ich nun auch den Dreh mit dem Schneepflug in den Kurven raus, aber die Technik kostete viel mehr Kraft und meine Beine waren ja eh schon k.o. Dementsprechend musste ich nach jeder zweiten Kurve eine Pause machen, weil meine Beine so zitterten. Weiß nicht, wie Caro so fix hinunter gefahren ist. Aber trotzdem hatte ich noch viel Spaß und schließlich machten wir zum ersten mal Sport seit unserer Ankunft. Das tat gut. Fix und fertig, aber glücklich und zufrieden kamen wir im Tal an. Dort zogen wir uns wieder um und warteten noch auf die anderen. Wir beobachteten derweil das Treiben am Hang, u.a. eine Truppe der Armee, welche wohl dort Skiunterricht hatte. Wie die Ameisen schlängelten sie sich den Hang hinunter und jedes Mal, wenn einer hinfiel, war die schöne Ordnung der Reihe dahin, denn dann mussten alle anderen drum herum und stürzten dabei meist auch. Mit ein bisschen Zufriedenheit stellten wir fest, dass wir da schon deutlich besser den Hang heruntergekommen sind, aber wir haben ja genauso angefangen.

Als dann alle wieder da waren, ging es wieder zurück nach Mendoza. Im Bus wurde der Fernet ausgepackt...in kleinen Klopferflaschen. Dazu bekam jeder eine Büchse Cola, aus der ein Schluck getrunken wurde, um dann den Fernet hineinzukippen. Wir tranken aber nur unsere Büchse Cola, ohne Fernet. Problem war das Öffnen der Büchse, wir befanden uns ja nun auf 2400 m Höhe und die Büchsen standen wahnsinnig unter Druck...aber mit ein bisschen Vorsicht und Abschlürfen ging das auch ohne zu kleckern.

Gegen um sieben kamen wir in Mendoza an. Unterwegs hat es sogar geregnet, nur gingen die Scheibenwischer des Busses nicht...als dann auch noch die Scheibe beschlug, hatten wir eigentlich ganz schöne Bedenken, denn der Fahrer dachte gar nicht daran, langsamer zu fahren. Naja, wir leben ja noch!

Die Woche war dann etwas ruhiger. Wir besuchten fleißig unsere Sprachkurse und Donnerstag Abend waren wir wieder beim Stammtisch. Tja, und Freitagabend saßen wir mit unseren halb gepackten Rucksäcken wieder in unserem Kurs an der Facultad de Ingenería. Diesmal waren Gastredner da und stellten zu dritt ein Projekt zur Verbesserung des Bewässerungssystem vor.

Gepackte Rucksäcke? Ja, die brauchten wir, da wir gleich nach dem Kurs zum Busterminal fuhren, denn es ging das Wochenende nach Santiago. Aber davon berichtet Caro demnächst in der Rubrik "Reisen in Südamerika".

Viele sonnige Grüße aus Mendoza!
Lisa



14.10.2015 19:38 von Anonym
<3 : )